Nach der Oktoberrevolution im Jahr 1917 wurde das christiliche Weihnachtsfest in der Sowjetunion abgeschafft. Ein Ersatz sollte aber her: Also schuf der Staat 1937 das Jolkafest, das jährlich am 31. Dezember stattfand. Zum Fest gehörte es, einen Baum zu schmücken – „Jolka“ ist russisch und heißt Tanne. Außerdem kamen Figuren aus russischen Wintermärchen hinzu, wie Väterchen Frost und das Schneemädchen Snegurotschka. Das sei ein gutes Beispiel dafür, wie eine erfundene zu einer festen Tradition geworden sei, so die Kuratorin Iris Edenheiser. Sie konzipierte die aktuelle Weihnachtsausstellung im Berliner Museum Europäischer Kulturen (MEK). Unter dem Titel „A wie Advent, Z wie Zoff. Ein Weihnachts-ABC“ spürt die Ausstellung den hellen und dunklen Seiten des Weihnachtsfestes nach.

Ein Werk in der Weihnachts-Ausstellung im MEK: „Christkind – dźěcátko“ von Yana Wernicke

Die Schattenseite des Weihnachtsfestes

Für viele sei das Weihnachtsfest der Höhepunkt des Jahres, aber es habe auch Schattenseiten, erklärt die Kuratorin. „Es enthüllt unsere Unterschiede. Menschen, die arm sind, die kein Weihnachten feiern oder eben auch die Nähe zur Familie nicht ertragen, werden ausgeschlossen.“ Außerdem produziere das Fest viel Müll und sei nicht unbedingt umweltfreundlich.

Weihnachtliche Massenware: Nikolausmützen aus China

Die Exponate reichen vom traditionellen Adventskalender über popkulturellen Kitsch bis hin zu politischen Postern. Das Jolkafest etwa wird durch eine aus Papier ausgeschnittene Winterszene dargestellt, die 1989 vom Veranstaltungs- und Kulturzentrum „Russisches Haus“ in Ost-Berlin an Kinder in der DDR verteilt wurde.

Weihnachten und Rassismus

Die zeitgenössische Debatte um Rassismus wird unter dem Buchstaben S behandelt – S für „Sinterklaas“, den niederländischen Namen für den Nikolaus. Hier befasst sich die Ausstellung nicht mit dem gutgelaunten alten Mann, der braven niederländischen Kindern ihre Geschenke am 5. Dezember bringt, sondern…