Als der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis Mitte November 2021 seinen britischen Amtskollegen Boris Johnson in London besuchte, hatte er eine jahrhundertealte Forderung im Gepäck: Ein für alle Mal wollte er dafür sorgen, dass die im Britischen Museum ausgestellten Marmorskulpturen, die einst zum Parthenon gehörten, in ihre Heimat zurückkehren.

Die 2500 Jahre alten Reliefs, die Szenen aus der griechischen Mythologie darstellen, heißten auch „Elgin Marbles“, benannt nach Lord Elgin, dem britischen Botschafter im Osmanischen Reich. Er ließ den Marmorfries ab 1801 von der Akropolis entfernen und verkaufte ihn mit viel Gewinn mitsamt Hunderten weiterer antiker Gegenstände aus Athen an die britische Regierung.

Parthenon-Fries an England verhökert

Die Marmorskulpturen bestehen aus Teilen eines Frieses, Metopen (Einzelbildern mit wenigen Figuren) und Figurengruppen. Sie bilden etwa die Hälfte der erhaltenen Skulpturen des Parthenon. Viele ihrer Gegenstücke befinden sich im Akropolis-Museum in Athen. Ihr Ausverkauf an das Britische Museum wurde 1816 nur knapp durch ein Gesetz verhindert, und war damals bereit hoch umstritten. So sprach auch schon der britische Dichter und Schriftsteller Lord Byron von einem „Raub“.

Und auch Griechenland spricht seit Langem davon, die Gegenstände seien ihnen gestohlen worden. Das sieht das Vereinigte Königreich anders. Nach Ansicht des Britischen Museums sind sie legal erworben worden – und sollen daher auch bleiben, wo sie sind: in London.

In einer  umfangreichen Stellungnahme auf der Internetseite des Museums erklären die Kuratoren, dass Lord Elgin „mit dem vollen Wissen und der Erlaubnis der damaligen Behörden sowohl in Athen als auch in London gehandelt hat“.

Die Mutter aller Restitutionsdebatten

„Dies ist vielleicht das erste Beispiel für eine Restitutionsdebatte“, sagt Alexander Herman, stellvertretender Direktor des britischen Instituts für Kunst und Recht sowie Autor des 2021 erschienenen Buchs…