Den Taliban gelten die Künste als „haram“ – verboten. Aus den Zeiten ihrer früheren Herrschaft sind viele Fälle von Verfolgung oder Tötung von Kunstschaffenden sowie Vernichtung von Kulturgütern dokumentiert. Nach der Bekanntgabe des Abzugs der westlichen Truppen haben verschiedene Personen und Organisationen die Regierungen weltweit zum Handeln aufgefordert.

Eine davon ist „Artists at Risk (AR)“. Seit 2013 hilft die unabhängige Hilfsorganisation bedrohten Kunstschaffenden aus verschiedenen Ländern dabei, an sichere Zufluchtsorte zu gelangen, an denen sie weiterhin künstlerisch tätig sein können. In Deutschland kooperiert „Artists at Risk“ unter anderen mit dem Medienmuseum ZKM in Karlsruhe. 

Bedrohte Künstlerinnen und Künstler

„Wir haben vor dem Truppenabzug Namen eingereicht – es gab eine Liste, die bis zum 1. September 2021 geschickt werden sollte“, sagt AR-Initiator Ivor Stodolsky gegenüber der DW. Das Problem: Danach ist kaum mehr etwas passiert, kritisiert Marita Muukkonen, die „Artist at Risk“ zusammen mit Ivor Stodolsky leitet. 

Talibankämpfer mit Gewehr im Anschlag beobachten eine Frauendemonstration in Kabul (16.12.2021)

„Während bei uns die Zahl der Bewerbungen von Künstlerinnen und Künstlern stetig steigt, bewegt sich bei den europäischen Regierungen seitdem nur noch wenig.“ 400 Kunstschaffende seien von ihnen inzwischen geprüft und bestätigt, so Muukkonen. Zähle man deren Familienmitglieder hinzu, ständen etwa 2000 Namen auf der AR-Liste. Zusammen mit den Listen zweier weiterer Hilfsorganisationen, mit denen „Artists at Risk“ eng zusammenarbeitet, handele es sich insgesamt (inklusive Familien) um etwa 3000 bis 4000 betroffene Personen.

Regierungswechsel = Hilfe für die Kunstschaffenden?

Frankreich habe immerhin einige Visa erteilt, sagt Ivor Stodolsky. Besonders bei Deutschland habe es ihn aber überrascht, dass nicht entschieden gehandelt wurde. „Und auch die nordischen Länder haben bisher kaum etwas für die…