Der deutsche Autozulieferer Continental wird Insidern zufolge in Chinas Streit mit Litauen in der Taiwan-Frage hineingezogen. Der Konzern aus Hannover sei von der Volksrepublik aufgefordert worden, die Verwendung von in dem EU-Land Litauen hergestellten Bauteilen einzustellen, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

„Continental bekommt drohende Signale, dass Lieferungen aus der litauischen Fabrik nach China nicht mehr erlaubt werden“, sagte einer der Insider. Der weltweit drittgrößte Autozulieferer, der in seinem Werk in Kaunas 100 Kilometer westlich der litauischen Hauptstadt Vilnius elektronische Komponenten herstellt, wollte sich mit Verweis auf die politisch angespannte Lage nicht äußern.

Hintergrund ist ein sich verschärfender Streit über die Entscheidung des baltischen EU-Staates zu erlauben, dass Taiwan eine Botschaft in Litauen eröffnen kann.

China dementiert

Das chinesische Außenministerium dementierte, Druck auf multinationale Konzerne ausgeübt zu haben, in Litauen hergestellte Produkte nicht zu verwenden. Es kritisierte Litauen aber wegen seiner Haltung zu Taiwan. Chinesische Unternehmen betrachteten Litauen nicht als vertrauenswürdigen Partner. Durch die Praxis, Taiwan als eigenständiges Land zu betrachten, mische sich das EU-Mitglied in innere Angelegenheiten ein und verletze Chinas Kerninteressen ernsthaft, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums.

Nach Angaben von litauischen Wirtschaftsverbänden blockiert China bereits aktuell die Einfuhr von Waren aus dem baltischen Staat. Im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin findet nach Informationen von Reuters kommende Woche ein Treffen zu drohenden Handelsproblemen wegen des chinesischen Boykotts gegen Litauen statt. In der Wirtschaft sei man zunehmend besorgt, dass auch der deutsch-chinesische Handel etwa durch den Einbau von in Litauen hergestellten Teilen in Produkte beeinträchtigt sein könnte, war jetzt aus Teilnehmerkreisen zu vernehmen.