Welche Erwartungen, welche Hoffnungen knüpfen sich an die neue oberste Kulturverwalterin? Claudia Roth selbst spricht von einem „wahren Herzensauftrag“. Für sie beginne jetzt eine neue Zeit der Verantwortung für Kultur und Medien im Bundeskanzleramt. „Ein Kreis schließt sich in meinem Leben“, so Roth am Mittwochmorgen beim Besuch des Berliner Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma Europas, wo die 66-jährige noch vor Amtsantritt Blumen niederlegte.

Schon zu Wochenbeginn, als die Vorsitzenden der Regierungsparteien, Olaf Scholz (SPD), Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) und Christian Lindner (FDP) den unterschriebenen Koalitionsvertrag präsentierten, war damit auch Claudia Roths Berufung besiegelt: Die Grünen-Politikerin wechselt von der Präsidentenbank des Bundestages ins Berliner Kanzleramt. Als Nachfolgerin von Monika Grütters (CDU) ist sie jetzt Chefin einer Bundesbehörde mit aktuell 390 Mitarbeitenden – und als Kulturstaatsministerin direkt dem neuen Kanzler Olaf Scholz unterstellt.

Roth kündigte laut „Süddeutscher Zeitung“ anlässlich der Verkündung des Mitgliedervotums ihrer Partei zum Koalitionsvertrag schon einmal an, „der Erinnerungskultur einen großen Stellenwert einzuräumen in einer Zeit, in der es Fackelmärsche gibt“ – womit sie auf jüngste Protestaktionen von Impfgegnern in Sachsen und Thüringen anspielte. Auch versprach Roth, sie werde für eine gesellschaftliche Gruppe eintreten, die die Pandemie besonders hart getroffen habe: „die Kulturleute“.

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

Auf dem Höhepunkt der vierten Corona-Welle, die vor allem dem Kultursektor schwer zu schaffen macht, scheint das auch dringend nötig. Darauf verweist der Deutsche Kulturrat. Ihr Geschäftsführer Olaf Zimmermann heißt Claudia Roth als „Politikprofi mit Kulturerfahrung“ willkommen; er freue sich auf die Zusammenarbeit. „Gerade jetzt braucht der Kulturbereich eine solche Expertin, die politische Mehrheiten besorgen und positive…