Wenn Olaf Scholz an diesem Mittwoch seinen Amtseid als neunter Bundeskanzler ablegt, wird es voraussichtlich weder einen Autokorso mit jubelnden Menschen geben, die Deutschlandfahnen schwenken, noch wird eine berühmte Künstlerin oder ein Künstler gefühlvoll die deutsche Nationalhymne intonieren.

Der Tag beginnt damit, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dem Bundestag vorschlägt, Scholz zum Bundeskanzler zu wählen. So weit, so erwartbar. Da der neue Bundestag aus 736 Abgeordneten besteht, muss Scholz bei der Kanzlerwahl im deutschen Parlament 369 Stimmen erhalten, um neuer Regierungschef zu werden, also eine absolute Mehrheit. Das dürfte kein Problem sein, verfügen die Fraktionen der angestrebten Koalition aus SPD, Grünen und FDP zusammen über 416 Stimmen.

Danach wird sich Scholz ins Schloss Bellevue begeben, um am Amtssitz des Bundespräsidenten offiziell ernannt zu werden und seine Ernennungsurkunde entgegenzunehmen. Dann wird er im Bundestag von Bundestagspräsidentin Bärbel Bas vereidigt. Im Bundestag wird Scholz wohl Blumensträuße von den Vorsitzenden aller Fraktionen erhalten, was dann schon der Höhepunkt an Festlichkeit und Glanz sein dürfte.

Auch die künftigen Ministerinnen und Minister erhalten im Schloss Bellevue ihre Urkunden und leisten danach ihre Amtseide im Bundestag. Vom Bundestag geht es für den neuen Regierungschef weiter in seinen Amtssitz: das Kanzleramt. Dort übergibt Vorgängerin Angela Merkel dann die Amtsgeschäfte an Olaf Scholz.

Wenig Raum für Ekstase

Der Ablauf der Amtseinführung in Deutschland lässt wenig Raum für Ekstase. In der deutschen Presse sorgte im Vorfeld allein die Tatsache für Aufsehen, dass Scholz die letzte Zeile des traditionellen Eides auslassen wird: „… so wahr mir Gott helfe“. Aber das war ja auch schon so, als er Finanzminister oder Erster Bürgermeister von Hamburg wurde.

Zeremoniellen Pomp bei Amtseinführungen kennt man eher aus Ländern mit einem Präsidialsystem. Da gibt es dann schon…