Als sie jung waren, hatten sie ganz andere Berufspläne. Sie wollten Ärzte, Polizistinnen oder Altenpflegerinnen werden. Doch heute arbeiten sie als Sexarbeiterinnen – ein Beruf, der in der deutschen Gesellschaft immer noch weitgehend tabuisiert ist, obwohl die Sittenwidrigkeit der Prostitution 2002 per Gesetz abgeschafft wurde und ein Prostituiertenschutzgesetz 2017 das Los der Sexarbeiterinnen verbessern sollte.

Die rechtliche und gesellschaftliche Stellung von Sexarbeiterinnen hat sich seither nicht wesentlich verbessert. Noch immer sind sie Opfer ausbeuterischer und krimineller Strukturen. Prostitution sei zwar legalilisiert worden, sagt Julia Wege, doch leideten die Frauen extrem unter ihrer Stigmatisierung. Wege ist Gründerin von Amalie Mannheim, einer Beratungsstelle für Sexarbeiterinnen. „Die Frauen sind oft gezwungen, ein Doppelleben zu führen“. Sexarbeiterin sei eben noch weit davon entfernt, „ein Beruf wie jeder andere zu sein“, so Julia Wege im DW-Interview.

Die Realitäten des Rotlichtmilieus

Auf den Fotos verbergen die Frauen ihre Gesichter hinter weißen Masken

Viele Menschen glaubten, dass Sexarbeiterinnen viel Geld verdienten sowie selbstbestimmt und freiwillig arbeiteten. In einigen Fällen möge das zutreffen, doch die Mehrzahl der Frauen verkaufe ihren Körper für ein paar Euro, um zu überleben, sagt Wege. Kaum einer kenne die Mechanismen und Strukturen des Rotlichtmilieus, die wenigsten wüssten um brutale Realität. Licht in das Dunkel soll jetzt eine Ausstellung in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen bringen. Unter dem Titel „Gesichtslos – Frauen in der Prostitution zeigt die Schau inszenierte Aufnahmen des Fotografen Hyp Yerlikaya.

Die darauf abgelichteten Frauen tragen ausdruckslose weiße Masken. Die gewollte Gesichtslosigkeit steht für die tägliche Realität der Prostituierten, die in der Öffentlichkeit zumeist ihre wahre Identität verbergen. Viele der Frauen leben unsichtbar am Rande der Gesellschaft.

Aufschlussreiche…