Wenn Olaf Scholz am Mittwoch in Berlin zum neuen Kanzler gewählt wird, wird er auf einem ganz besonderen Stuhl Platz nehmen: Er heißt Figura, hat die höchste Rückenlehne, und ist strahlend blau, mit einem leichten Einschlag ins Violette. Ein Farbton, der sogar patentiert ist – als „Reichstags Blue“. Mit dieser Farbe sind alle Stühle im Bundestag bezogen.

Dabei wäre fast alles anders gekommen. Eigentlich sollten die Stühle im neuen Bundestag in Berlin grau werden. So wollte es zumindest der renommierte britische Architekt Norman Foster, der nach der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland im Jahr 1990 mit der Umgestaltung des Reichstagsgebäude in Berlin beauftragt worden war. Von 1993 bis 1999 gestaltete er das Gebäude um.

Das Farbschema des Bundestages: hellgrau und „Reichstag-Blau“

Hellgrau wählte der aus Manchester stammende Architekt, der sich in einem Wettbewerb gegen die Kollegen Santiago Calatrava und Pi de Bruijn durchsetzte, als grundlegende Farbe des neuen Plenarsaals. Auch die Stühle sollten grau werden, so der Wunsch Fosters.

„Graue Männer mit grauen Haare auf grauen Sesseln – ein Grauen!“

Dagegen stemmten sich aber die Politikerinnen und Politiker im Bundestag. Peter Conradi von der SPD witzelte damals laut „Tagesspiegel“: „Graue Männer mit grauen Haaren in grauen Anzügen auf grauen Sesseln vor grauen Tischen auf grauem Teppich und rundherum graue Wände – wen packt da nicht das Grauen?“ Deshalb wurde der dänische Designer Per Arnoldi von Foster damit beauftragt, einen anderen Farbton zu finden. Heraus kam das „Reichstag-Blue“ – dass sich der vormals so grau-verliebte Foster prompt patentieren ließ.

Norman Foster: Der Stararchitekt wird 85

Ein Wahrzeichen für Berlin

Einer seiner bekanntesten Entwürfe und ein Muss für alle Berlin-Touristen: Mit seiner Kuppel für das Berliner Reichstagsgebäude schenkte Norman Foster der Stadt ein neues Wahrzeichen und eine vielbesuchte Attraktion. Der Architekt beugte sich der Politik, denn…