Johann Sebastian Bach war ein Musikgenie, das ist bekannt. Er schuf große Passionen und das berühmte Weihnachtsoratorium. Als Thomaskantor in Leipzig komponierte er Kantaten, die zu seinen Meisterwerken zählen. Sein „Wohltemperiertes Klavier“ und „Die Kunst der Fuge“ haben die Musikwelt bis heute nachhaltig beeinflusst.

Und doch wirft Michael Maul, Intendant des Bachfestes Leipzig, in seiner Biografie auch ein anderes Licht auf den großen Komponisten des 18. Jahrhunderts. Bach als jemand, der bei seinen Arbeitgebern immer wieder aneckte und sich in späteren Jahren mehr und mehr von der Kirchenmusik zurückzog. „Es gibt viele Bachbiografien, da wird Bach als ständiger Gewinner dargestellt“, sagt Michael Maul im Gespräch mit der DW. Doch Dokumente, die Maul ausgewertet hat, lassen eine andere Deutung zu. „Mein Eindruck ist eher, dass da sehr viel stärkere kulturpolitische Konflikte waren zu Bachs Zeit, von denen man gar nichts wusste.“

Täglich eine Dosis Bach

Seit über 20 Jahren beschäftigt sich der Musikwissenschaftler Michael Maul mit dem Komponisten Johann Sebastian Bach und ist, wie er sagt, noch lange nicht fertig mit ihm. Zu viele Fragen seien noch offen. Immer wieder fänden sich neue Notizen oder Manuskriptfragmente. Michael Maul hat in seiner zweisprachigen englisch-deutschen Bildbiografie viele dieser Mosaiksteinchen in chronologischer Reihenfolge zusammengesetzt: „Ich habe versucht, den Stand der Bachforschung abzubilden und Dinge einzufügen, die ich so noch nirgendwo geschrieben habe.“ 

Für wen Johann Sebastian Bach diesen kleinen Kanon schrieb, war in der Bachforschung lange ein Rätsel.

Michael Maul zeigt dabei nicht nur seine profunde Kenntnis, sondern bringt auch Menschliches zutage: wenn er Bach als Schulschwänzer outet, über die „Prügelei mit den Zippel Fagottisten‘, also den Fagott-Amateuren, berichtet oder „Irrwege der Bachforschung“ aufdeckt, die Theorien über Bachs Zahlensymbolik zuweilen ad absurdum führen. Oder wenn er…