Geheimdienste
007 war gestern: Wie Gesichtserkennung und Dauerüberwachung die Spionage verändern

Die Überwachung durch staatliche Stellen nimmt weltweit zu

© Ignatiev / Getty Images

von Malte Mansholt
04.12.2021, 17:28 Uhr

Mit Tarnidentität in die Höhle des Löwen: Spione in anderen Staaten gehörten für Geheimdienste lange zu den wichtigsten Informationsquellen. Nun müssen sie umdenken.

Ein Blick in die Kameras der U-Bahn, der Standort bei der Nutzung von sozialen Netzwerken, die gespeicherte Suche bei Google: Jeden Tag hinterlassen wir einen stetig zunehmende Strom von Daten, der von Unternehmen und teilweise auch Regierungen begierig ausgewertet wird. Doch was dem Durchschnittsbürger in der Regel nur gruselig maßgeschneiderte Werbeanzeigen beschert, wird für Spione rund um den Globus zur immer größeren Gefahr. Und lässt die klassische Spitzelarbeit immer schwieriger werden.

Die Zeiten, in denen ein Geheimdienstmitarbeiter mit einem Koffer voller falscher Pässe unentdeckt durch die Welt reisen konnte, sind vermutlich bald endgültig vorbei, zeigt ein ausführlicher Bericht des „Wall Street Journal“. „Es ist wirklich schlimm“, berichtete ein ehemaliger Offizier der US-Spionageabwehr der Zeitung. Neben der zunehmenden Videoüberwachung rund um die Welt wären es vor allem Fortschritte bei der Erkennung von biometrischen Daten und der ständige Informationsstrom unserer Smartphones, die die Arbeit erschweren würden. „Es verändert ganz grundlegend, wie mit welchen Annahmen und Ansätzen wir unserem Geschäft nachgehen.“

Falle technischer Fortschritt

Reichte es früher oft aus, einen modifizierten Pass auszustellen, um mit einer neuen Identität ausgestattet in den Grenzen eines anderen Staates weitgehend unerkannt Informationen zu sammeln, ist das angesichts automatisierter Dauerüberwachung kaum noch möglich. Es sei…