Die ATP, der Tennisweltverband der Männer hat sich nicht dem Turnier-Boykott der Frauen-Organisation WTA gegen China angeschlossen, um im weiter ungeklärten Fall Peng Shuai Druck auszuüben. Der Verband sei „generell der Meinung, dass wir mit einer globalen Präsenz die besten Chancen haben, etwas zu bewirken“, sagte ATP-Chef Andrea Gaudenzi. 

Die 35 Jahre alte Tennisspielerin Peng Shuai hatte am 2. November auf der chinesischen Social-Media-Plattform Weibo den früheren Vizepremier Zhang Gaoli beschuldigt, sexuell übergriffig geworden zu sein. Nachdem sie vor zehn Jahren vorübergehend eine Affäre gehabt hätten, habe Zhang sie 2018 in seiner Wohnung gegen ihren Willen zum Sex zwingen wollen, schrieb Peng. Ihr Post war kurz darauf gelöscht worden, sie selbst war für zwei Wochen verschwunden.

In einem DW-Fernsehinterview äußerte sich die tschechische Ex-Tennispielerin Andrea Sestini Hlavackova, eine frühere Doppelpartnerin von Peng Shuai: 

DW: Wie besorgt sind Sie um Peng Shuai?

Andrea Sestini Hlavackova: Da die ganze Welt nach ihr sucht und versucht, sie zu erreichen, gehöre ich natürlich zu den Tennisspielerinen, die Fragen stellen: Warum ist sie nicht in der Lage, selbst frei zu sprechen? Warum kann sie keine Anrufe von WTA-Chef Steven Simon entgegennehmen? Warum gibt es so viele Fragezeichen? Ja, ich mache mir Sorgen um sie. Ich glaube fest daran, dass es ihr körperlich gut geht, aber sie lebt in China. Ich glaube einfach, dass sie nicht frei ist.

Andrea Sestina Hlavackova (l.) macht sich Sorgen um Peng Shuai (r.)

Hatten Sie Kontakt zu ihr?

Nein. Ehrlich gesagt habe ich seit 2017, als wir das letzte Mal zusammen gespielt haben, nicht mehr mit ihr gesprochen. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob meine Kontaktnummer noch aktuell ist.

Finden Sie es richtig, dass die WTA wegen des unklaren Schicksals von Peng Shuai alle Wettbewerbe in China ausgesetzt hat?

Das ist ihr gutes Recht. Die WTA hat schließlich die Lizenzen und vermietet sie an die Turniere. Ich bin…