Militärische Abschieds-Zeremonie
Aufmarsch mit Fackeln in Berlin – deshalb ist der Zapfenstreich umstritten

Mitte Oktober wurde der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich gewürdigt. Die Zeremonie gilt als besondere Ehrung der Bundeswehr

© Christophe Gateau / dpa

von Annette Berger
02.12.2021, 12:43 Uhr

Wenn die Bundeswehr Kanzlerin Angela Merkel am Abend mit dem Großen Zapfenstreich verabschiedet, weckt das auch mulmige Assoziationen. Doch was steckt eigentlich hinter diesem Ritual?

„Jetzt ist Zapfenstreich“ – als Kind hat den Spruch wohl so ziemlich jeder von seinen Eltern gehört. Übersetzt heißt er: „Ab ins Bett.“

Damit ist schon beinahe die ursprüngliche Bedeutung des Wortes erklärt. Denn mit einem Zapfenstreich wurden einst Soldaten ins Bett geschickt – und vor allem davon abgehalten, mehr Alkohol zu trinken. Die Männer sollten am nächsten Tag fit und kampfbereit sein.

Der Zapfenstreich ist nur einer von vielen Begriffen, die aus dem Militärjargon den Weg in die deutsche Alltagssprache gefunden haben, wie beispielsweise eine Ausstellung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden anschaulich erklärt. Beinahe ein halbes Jahrtausend benutzen wir diesen Begriff schon.

Früher wurden Söldner per Zapfenstreich aus der Kneipe geschickt

Seinen Ursprung hat er im 16. Jahrhundert. Damals, so erklärt es beispielsweise die Bundeswehr selbst, entwickelte sich ein Brauch. Es war eine Zeit, in der Armeen in Europa teils aus Landsknechten bestanden, also aus zu Fuß kämpfenden Söldnern. Deren Vorgesetzte beendeten abends den Ausschank von Alkohol in den Wirtshäusern, indem sie an die Zapfen, also die Zapfhähne der Bier- und Weinfässer, Kreidestriche malten. Die Markierungen signalisierten: Ab jetzt wird kein Alkohol mehr verkauft und nicht mehr…