„Das Einzige, was ich gedacht habe, war, warum hilft mir denn niemand?“ – so erinnert sich Marie Dinkel an die schlimmste Zeit in ihrem Leben. Mit 13 Jahren rücken sie und zwei weitere Mädchen ins Leistungsteam ihres Vereins TV Gladenbach auf, einem Sportverein mit Judo-Abteilung in einem Dorf etwa 75 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main. Neben dem regulären Training erhalten die Mädchen nun gezieltes Einzeltraining in „einem kleinen, separaten Raum einer Schulturnhalle“, erinnert sich Dinkel. „Dadurch, dass wir drei Mädchen waren, musste eine immer mit ‚ihm‘ trainieren.“

„Er“ war eigentlich Dinkels Lieblingstrainer, bis es zu mehreren Übergriffen kam. „Ich habe ihm vertraut, aber ich dachte damals, dass ich nichts sagen darf, weil ich das ja verdient habe“, erinnert sich Dinkel. „Weil ich im Training nicht gut war, auf dem letzten Wettkampf nicht gut abgeschnitten habe und dass es irgendeinen Grund haben muss, dass ich so behandelt werde.“

Eng geschnürte Judohosen

Sie weiß noch genau, wie ihr Trainer bei einer Übung ihr Becken mit seiner Hüfte fixierte. „Er hat dann von hinten in meine Hose gegriffen. Ich konnte mich daraus nicht befreien, weil ich in Schockstarre war“, sagt Dinkel. „Ich habe gewartet, dass es vorübergeht.“ Ein weiterer Übergriff sei in einem größeren Trainingsraum passiert. „An dem Tag waren zehn bis fünfzehn Leute auf der Matte. Ich habe auf einem der Mattenwagen gesessen, als er kam und sich vor mich stellte.“ Vor versammelter Mannschaft habe er ihr wieder von hinten in die Hose gegriffen. Die heute 25-Jährige ist der Meinung, dass das jemand hätte sehen müssen – geholfen hat ihr aber niemand.

Als Marie Dinkel 13 Jahre alt ist, beginnen die Übergriffe ihres Trainers

Auch die drei Mädchen haben untereinander über den Missbrauch nie gesprochen. Irgendwann aber fingen sie damit an, sich vor dem Training stillschweigend gegenseitig die Judohosen „so fest wie nur möglich zuzuschnüren“.

Es dauert etwa ein halbes Jahr bis Dinkel das…