„Ich bin der festen Ansicht, dass beide Ämter – Regierungschef und Bundesparteiobmann der stimmenstärksten Partei Österreichs – rasch wieder in einer Hand vereint sein sollten“, begründete Bundeskanzler Alexander Schallenberg seinen Schritt. Es sei nie sein Ziel gewesen, die Österreichische Volkspartei (ÖVP) anzuführen. Er stelle sein Amt zur Verfügung, sobald parteiintern die entsprechenden Weichenstellungen vorgenommen wurden, teilte Schallenberg in einem schriftlichen Statement mit. Der Rückzug folgte wenige Stunden, nachdem ÖVP-Chef und Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern angekündigt hatte – also als Partei- und Fraktionschef sowie als Parlamentarier.

Kanzler Schallenberg (l.) und sein Amtsvorgänger Kurz im November im Nationalrat in Wien

Unmittelbar nach Kurz‘ Rückzug aus der Politik hatte Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) im ORF-Interview bereits gesagt, er wolle Schallenberg zwar nicht vorgreifen, er nehme aber nicht an, dass dieser auch ÖVP-Chef werden wolle. 

Medien sehen Innenminister Nehammer als nächsten Kanzler

Der frühere Außenminister Schallenberg hatte am 11. Oktober den Posten des Kanzlers von Kurz übernommen, nachdem dieser nach Korruptionsvorwürfen zunächst als Regierungschef zurückgetreten war. Als möglicher nächster ÖVP-Chef und Kanzler wird von österreichischen Medien Innenminister Karl Nehammer gehandelt. Für Freitag ist eine Sitzung des Bundesparteivorstandes geplant.

Österreichs nächster Kanzler? Karl Nehammer (Archivbild)

Gegen Kurz ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Falschaussage im „Ibiza“-Untersuchungsausschuss und wegen des Verdachts der Untreue. Der 35-Jährige und seine politischen Mitstreiter sollen seinen Aufstieg an die Regierungsspitze unter anderem mit Hilfe von Steuergeldern befördert haben.

Kurz galt lange Zeit als „politischer Superstar“ der Konservativen in Europa. Er startete seine…