Weil die Signale aus China zum Schicksal der Tennisspielerin Peng Shuai ihr nicht ausreichen, hat die WTA, der Weltverband der Profitennisspielerinnen, die Drohung wahrgemacht und alle Turniere in China und Hongkong bis auf weiteres ausgesetzt. WTA-Chef Steve Simon sagte, die Entscheidung könnte auch über das Jahr 2022 hinaus gelten: „Das ist ein organisatorischer Versuch, der wirklich etwas anspricht, bei dem es darum geht, was richtig und falsch ist.“

China ist ein wichtiger Geldgeber der WTA. So wurde das WTA-Finale, der traditionelle Saisonabschluss, per Vertrag für zehn Jahre an die Stadt Shenzen vergeben. Für 2021 waren insgesamt elf Turnier in China geplant, ehe sie wegen der Corona-Pandemie abgesagt oder verlegt werden mussten. Ein Ende der Beziehungen zu China könnte den Verband Millionen Dollar kosten. 

Druck auf IOC nimmt zu

Die 35 Jahre alte Tennisspielerin Peng Shuai hatte am 2. November auf der chinesischen Social-Media-Plattform Weibo den früheren Vizepremier Zhang Gaoli beschuldigt, sexuell übergriffig geworden zu sein. Nachdem sie vor zehn Jahren vorübergehend eine Affäre gehabt hätten, habe Zhang sie 2018 in seiner Wohnung gegen ihren Willen zum Sex zwingen wollen, schrieb Peng. Ihr Post war kurz darauf gelöscht worden, sie selbst war für zwei Wochen verschwunden. Vertreter aus Sport, Politik und von Menschenrechtsgruppen sorgen sich um das Wohlergehen der Tennisspielerin – auch noch, nachdem sie per Videoschalte mit Thomas Bach, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), gesprochen hatte. Mit der Entscheidung der WTA nimmt auch der Druck auf das IOC gut zwei Monate vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Peking zu.

IOC-Präsident Thomas Bach sprach am 21. November per Videoschalte mit Peng Shuai

„Mit gutem Gewissen sehe ich nicht, wie wir unsere Athleten fragen können, dort [in China – Anm. d. Red.] anzutreten, wenn Peng Shuai nicht erlaubt ist, frei zu kommunizieren“, schrieb WTA-Chef Simon. Peng Shuai werde…