Es kann schon mal vom eigenen schlechten Gesundheitsmanagement ablenken, wenn man das Ausland für den Ausbruch einer Epidemie verantwortlich macht. So habe etwa der ehemalige US-Präsident Trump das Coronavirus als „China-Virus“ bezeichnet, als er aufgrund der steigenden Fallzahlen in seinem Land unter Druck geraten sei, sagt Jerôme Viala-Gaudefroy, Assistenzprofessor an der CY Cergy Université in Paris. Er beschäftigt sich mit der Herkunft von Krankheitsnamen und hat mehrere Beispiele für derartige  „Ablenkungsmanöver“, um die Gefahr auf Distanz zu halten, gefunden: „Die sogenannte Spanische Grippe, die während des Ersten Weltkrieges Millionen Menschen getötet hat, kam wahrscheinlich aus den USA. Sie wurde mit Spanien assoziiert, wo der erste Fall identifiziert wurde“, so Viala-Gaudefroy – damit habe man vom wahren Ursprung abgelenkt.

Während Trump und seine republikanischen Gefolgsmänner im Jahr 2020 das Coronavirus weiterhin als „chinesische Grippe“ brandmarkten und behaupteten,dass es in einem Labor in Wuhan ausgebrütet wurde, wurdenUS-Amerikaner mit asiatischen Wurzeln zunehmend diskriminiert und angegriffen.

Krankheitsnamen dürfen nicht diskriminieren

Trump machte zudem sehr gerne von Kriegsmetaphern Gebrauch, wenn er von dem Virus sprach – so benutzte er Ausdrücke wie „der unsichtbare Feind“, bemerkte Viala-Gaudefroy, damit habe Trump das Bild eines Kampfes gegen eine ausländische Invasion vermitteln wollen.

Auch in Nordindien wurden „chinesisch aussehende“ Einheimische, die in Gebieten an der Grenze zu China lebten, diskriminiert und sogar zur Quarantäne gezwungen – auch ohne COVID-Symptome.

Die Weltgesundheitsorganisation hat bereits 2015 eine Richtlinie für die Benennung neuer Krankheiten herausgegeben. Dort wird empfohlen, darauf zu achten, dass „keine kulturelle, soziale, nationale, regionale, berufliche oder ethnische Gruppe verletzt wird“.

„Zu den COVID-19-bezogenen Äußerungen von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Internet gehören…