Anlass der juristischen Prüfung ist ein Gesetz aus Mississippi, das fast alle Abtreibungen nach der 15. Schwangerschaftswoche verbietet. Niedrigere Instanzen hatten zuvor entschieden, dass das Gesetz nicht mit dem Grundsatzurteil Roe v. Wade aus dem Jahr 1973 vereinbar sei. Der konservativ regierte Bundesstaat rief daraufhin das Oberste Gericht der USA an, um den Fall zu überprüfen. Abtreibungsgegner hoffen, dass der unter dem früheren Präsidenten Donald Trump nach rechts gerückte Supreme Court das Urteil von 1973 aufhebt.

Der Supreme Court hatte in dem historischen Grundsatzurteil Roe v. Wade das Recht von Frauen auf Schwangerschaftsabbrüche verankert. Als Richtlinie gilt dabei, dass Abtreibungen grundsätzlich so lange erlaubt sind, bis der Fötus außerhalb des Mutterleibs lebensfähig wäre. Das ist etwa nach 22 bis 24 Schwangerschaftswochen der Fall.

Urteil erst 2022 erwartet

Das US-Verfassungsgericht hört nun in dem Fall „Dobbs vs. Jackson Womens Health Organisation“ in einer auf 70 Minuten angesetzten Sitzung die mündlichen Argumente beider Seiten. Bis zum Ende der Sitzungsperiode des Gerichts im Sommer 2022 wollen die neun mehrheitlich konservativen Richterinnen und Richter eine Entscheidung treffen.

Unterstützer des Rechts auf Abtreibung stehen an der Einfahrt der Abtreibungsklinik Pink House in Jackson

In der Anhörung tritt Thomas E. Dobbs als Kläger auf, der als Beauftragter des Gesundheitsministeriums von Mississippi tätig ist. Beklagter ist die „Jackson Womens Health Organisation“, die einzige Abtreibungsklinik des Bundesstaates, die noch Schwangerschaftsabbrüche bis zur 16. Woche anbietet. Vor der Klinik kommt es regelmäßig zu massiven Protesten – Frauen werden belästigt und von Freiwilligen beschützt. In dem Fall geht es um die Frage, ob alle Verbote von Schwangerschaftsabbrüchen vor der Geburt verfassungswidrig sind oder ob Bundesstaaten Abtreibungen verbieten können, bevor ein Fötus außerhalb des Mutterleibs überleben kann.

Das Gesetz…