Wenn es um Kunst in Nordirland geht, mischt das „Array Collective“ aus Belfast immer ganz vorn mit – am liebsten in opulenten Kostümen. Das elfköpfige Kollektiv gründete sich 2016 und reagiert mit Performances, Protesten, Ausstellungen und Veranstaltungen auf alle Themen, die ihre Landsleute so umtreiben – egal, ob es um die Entkriminalisierung der Abtreibung in ihrer Heimat geht, um Gentrifizierung, die Höhe der Sozialhilfe oder die gesetzlich beschränkten Rechte der queeren Community. 

Für so viel Engagement hat das „Array Collective“ jetzt den renommierten Turner-Preis bekommen. Die Künstlerinnen und Künstler würden „in einem schwierigen und gespalteten Umfeld agieren“, lobte Alex Farquharson, Kopf der Jury und Direktor des Museums Tate Britain, das Engagement des Kollektivs. „Sie packen jedes heiße Eisen an, ob LGB, Feminismus oder religiösen Fanatismus in Nordirland, schaffen es aber trotzdem, diese ernsten Themen mit Humor, Freude, Hoffnung und einer offenen Grundhaltung zu vermitteln.“ Die bewundernswerte Leichtigkeit ihrer Auftritte und ihre einnehmende Art habe die Jury vollends überzeugt. 

Friedlich im „Shebeen“ vereint

Im Fokus ihrer für den Preis nominierten Arbeit stand die Installation „The Druithaib’s Ball“. In einem imaginären „Shebeen“ – einer Kneipe, wo illegal Alkohol ausgeschenkt wird – hängen Banner unter der Decke, die bei Demonstrationen zum Einsatz kamen. Um an diesen Ort zu gelangen, muss man an Fahnenmasten vorbei, die an alte irische Zeremonienstätten erinnern. Dort könne man „sich außerhalb sektiererischer Abgrenzungen zusammensetzen“, erläuterte das Kollektiv. 

Die Preisverleihung wurde am Mittwochabend in einer Fernsehübertragung aus Coventry im Herzen Englands übertragen. „Das Ganze ist so surreal“, sagte Stephen Millar im Namen des Kollektivs. Wir sind so stolz darauf, aus Belfast zu sein.“ Genauso stolz sei man auf die lokalen Gemeinden, mit denen man zusammen arbeite. Das Preisgeld in Höhe von 25.000…