Ihren Tod hat Marina Abramovic schon vorbereitet. Natürlich als Performance: Beerdigt werden sollen drei Marinas, eine „richtige“ und zwei „falsche“. Und zwar an den Orten, an denen die weltweit bekannteste Performance-Künstlerin die meiste Zeit verbrachte: in Belgrad, Amsterdam und New York.

An welchem Ort der echte Körper begraben sein wird, soll geheim bleiben. Sich mit dem eigenen Ende auseinanderzusetzen, sei essentiell für sie. „Mit jedem Tag, den man lebt, nähert man sich dem Tod“, sagte Abramovic in einem Interview mit der Kuratorin Carrie Scott. „Darauf muss man vorbereitet sein, damit man ohne Angst oder Wut stirbt.“ Das habe sie von ihrer Großmutter gelernt, die stets Kleidung für die eigene Beerdigung zurechtgelegt habe, jeweils angepasst an die damalige, sich ändernde Mode – ihre Oma wurde 103.

Geboren wurde Marina Abramovic am 30. November 1946 in Belgrad, wo sie in den 1970er-Jahren an der Staatlichen Kunsthochschule Malerei studierte. „Ich spüre deutlich, dass ich vom Balkan komme. Wir machen aus allem ein großes Drama. Entweder aus persönlichen Lebensereignissen oder aber aus dem ganz grundsätzlichen Drama des menschlichen Daseins.“ Diese Energie und die damit verbundenen Emotionen sind in Abramovic‘ Kunst ungemein intensiv. Ihre Performances provozieren, machen aggressiv, wühlen auf, beruhigen, rühren zu Tränen – kalt lassen sie wohl kaum einen.

Kunst und Künstler müssen schön sein? Zwanghaftes Kämmen mit Metallbürsten in „Art must be beautiful“ (1975)

Begonnen hatte Marina Abramovic ihr Werk mit extremen körperlichen Erfahrungen – eine Qual sowohl für sie als auch für die Zuschauer. Mit 26 Jahren stach sie sich bei einer ihrer ersten Arbeiten zwischen die Finger der linken Hand. Dass sie sich dabei verletzten würde, kalkulierte sie mit ein, mit jedem Stich in den Finger wechselte sie das Messer. „Wie beim Russischen Roulette geht es um Mut, Leichtsinn, Verzweiflung und Düsterkeit“, erzählt Marina Abramavic in ihrer 2018 auf…