Es war 1989 der erste erotische Roman in Spanien, der von einer Frau verfasst worden war: „Lulú. Die Geschichte einer Frau“ („Las edades de Lulú“) war damals ein Skandal – und machte die Schriftstellerin Almudena Grandes über Nacht berühmt. Für die damalige spanische Leserschaft ungewohnt offen handelt der Roman nicht nur von sexuellen Abenteuern und Abwegen der Hauptfigur Lulú, sondern vor allem auch vom Erwachsenwerden zur Zeit der Franco-Diktatur. Das Buch, das Grandes im Alter von 28 Jahren veröffentlicht hatte, wurde zum Bestseller und weltweit übersetzt. Bereits kurz nach Veröffentlichung wurde er von Regisseur Bigas Luna mit Francesca Neri und Javier Bardem verfilmt.

„Schreiben war eine Form, die Dinge, die mir nicht gefielen, zu verzaubern und die Realität zu verändern“, schrieb Grandes im Begleittext ihres Debüt. Zuvor hatte sie in einem Verlag gearbeitet und stets geschrieben. Nach „Lulú“ folgten weitere, wegweisende Werke, in denen sie sich kritisch mit dem Spanischem Bürgerkrieg und der Franco-Diktatur auseinandersetzte.

Schweigeminute bei internationaler Buchmesse

Wie am Samstag Abend (27.11.) bekannt wurde, verstarb die Schriftstellerin im Alter von 61 Jahren in ihrem Haus in Madrid. Tief betroffen und bestürzt äußerten sich sowohl spanische Künstler als auch Politiker. „Wir verlieren eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen unserer Zeit. Engagiert und mutig hat sie unsere jüngere Geschichte aus einer fortschrittlichen Perspektive erzählt“, twitterte der spanische Premierminister Pedro Sánchez. Daraufhin richtete er seine Worte direkt an die Verstorbene: „Ihr Andenken, ihre Werke werden uns immer begleiten, Almudena Grandes.“

Mit einer Schweigeminute gedachte ihr die Literaturbranche bei der Eröffnung der Internationalen Buchmesse Guadalajara (FIL) in Mexiko, dem wichtigsten Branchentreffen der spanischsprachigen Literatur. „Almudena Grandes hat unsere jüngste Geschichte meisterhaft dargestellt und denjenigen eine Stimme gegeben, die nie…