Wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs hat die französische Justiz Ermittlungen gegen den ehemaligen Umweltminister und Fernsehmoderator Nicolas Hulot aufgenommen. Die Pariser Staatsanwaltschaft gab den Schritt bekannt, nachdem mehrere Frauen entsprechende Anschuldigungen in einer TV-Sendung erhoben hatten.

In der am Donnerstagabend ausgestrahlten Sendung wird Hulot von einer Frau namens Sylvia vorgeworfen, er habe sich 1989, als sie 16 Jahre alt war, in seinem Auto an ihr vergangen. Eine weitere Frau namens Cécile erzählte, sie habe 1998 unangebrachte sexuelle Avancen Hulots in einem Taxi in Moskau zurückgewiesen. Eine dritte Frau gab an, Hulot habe sie 2001 ungefragt auf den Mund geküsst.

Zwei weitere Frauen, die frühere Fernsehmoderatorin Maureen Dor sowie eine ehemalige Angestellte des Privatsenders TF1, hatten den Produzenten der Reportage schriftliche Erklärungen zukommen lassen, in denen sie Hulot ebenfalls des sexuellen Missbrauchs beschuldigen.

Großes Aufsehen

Die Sendung kam außerdem auf den Fall Pascale Mitterrand zurück: Die Enkelin des ehemaligen französischen Präsidenten François Mitterrand hatte Hulot bereits 2008 vorgeworfen, sie vergewaltigt zu haben. Der Fall hatte Anfang 2018, als Hulot Umweltminister im ersten Kabinett des damals frisch gewählten Staatschefs Emmanuel Macron war, für großes Aufsehen gesorgt. Die Behörden ließen die Ermittlungen aber schließlich fallen.

Hulot weist alle Vorwürfe zurück. Die Frauen lögen und er habe keine Möglichkeit, sich vor einer öffentlichen Vorverurteilung zu schützen, sagte der 66-Jährige schon am Vortag der Ausstrahlung der Reportage. Zugleich kündigte er an, sich „definitiv“ aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, um sein privates Umfeld und seine Umweltschutzstiftung zu schützen. Von seinem Ministeramt war Hulot 2018 im Streit um Macrons Klimapolitik zurückgetreten, die er als nicht ehrgeizig genug kritisierte.

wa/no (afp, dpa)