Eine Person blickt in die Ferne. Sie steht auf Wiese. Ihr Geschlecht ist unbestimmt. Auch der Gesichtsausdruck der Person lässt sich nicht genau zuordnen. Aber eines ist klar: Sie ist schwarz. Mehrdeutigkeit, insbesondere in Bezug auf das Geschlecht der porträtierten Personen, ist das Markenzeichen von Zanele Muholis Fotografie, die bis zum 13. März 2022 im Gropius Bau in Berlin zu sehen ist.

LGBTQ-Identitäten in Südafrika: Kampf um authentisches Leben

Seit den frühen 2000er Jahren arbeitet Muholi unermüdlich daran, LGBTQ-Identitäten in Südafrika zu porträtieren, um aufzuzeigen, wie queere und trans Menschen weiterhin darum kämpfen, ein authentisches Leben zu führen, während sie in einer stark polarisierten Gesellschaft Diskriminierung, Hass und Verbrechen ausgesetzt sind.

„Die Fotografie hat mir ermöglicht, mich selbst auf eine Art und Weise auszudrücken, die mir mit einem anderen Medium nicht zugänglich gewesen wäre“, sagte Muholi letztes Jahr in einem Interview in der Tate Modern in London. „Was am meisten zählt, ist der Inhalt: Wer ist auf dem Bild zu sehen, und warum sind sie dort?“. Auch selbst vor der Kamera zu posieren, hat Muholi dabei geholfen, sich mit der eigenen Geschichte und dem damit verbundenen Schmerz auseinanderzusetzen. 

Mehrdeutigkeit ist das Markenzeichen von Zanele Muholi

„In meiner Welt ist jeder Mensch schön. Es ist die Freundlichkeit und das, was von Innen kommt, was schön ist. Es ist nicht die äußere Schicht“, sagte Muholi einmal auf die Frage, welche Rolle Schönheit bei der Darstellung schwarzer LGBTQ-Identitäten spielt. „Es geht nicht um Schönheit an sich, sondern um die Notwendigkeit, die Lebenswirklichkeiten von Menschen zu dokumentieren, die es verdienen, gehört zu werden.“

Schwarze Ästhetik im modernen Zeitalter

1972 in der Nähe der südafrikanischen Großstadt Durban geboren, ist Muholi – mithilfe der visuellen Kunst, die sich auf politischen Aktivismus stützt – zu einer führenden Persönlichkeit in der…