DW: Als Sekundant und Trainer waren Sie in den letzten 15 Jahren an mehreren WM-Kämpfen beteiligt. Der Norweger Magnus Carlsen  verteidigt jetzt seinen Titel gegen den Russen Jan Nepomniachtchi. Glauben Sie, dass der Herausforderer eine Chance hat?

Rustam Kasimjanov: Er hat eine Chance: Nepomniachtchi ist stilistisch nicht sehr angenehm für Magnus Carlsen. Er hat eine Stärke, die fast alle anderen nicht haben: Schnelligkeit. Das macht ihn gefährlich für Carlsen. Nepomniachtchi macht viele gute Züge in weniger als einer Minute. Dann kommt Carlsen nicht zur Ruhe und das macht dann alles viel komplizierter. Natürlich kann das auch schief gehen, aber es kann auch viele Stärken von Carlsen zunichtemachen. Es kann aber auch sein, dass Nepomniachtchi den Druck spürt und seine Schnelligkeit nicht ausspielen kann, dann hat er keine Chance.

Wie wichtig ist eine gute Vorbereitung für Herausforderer Jan Nepomniachtchi?

Das ist sehr wichtig – denn es kommt darauf an, dass er gegen Carlsen sein bestes Schach aufs Brett bringen kann. Wenn die Vorbereitung gut läuft und er mit neuen Ideen nach Dubai kommt, dann ist das gut für ihn. Aber vielleicht haben er und sein Team auch Probleme gehabt, nicht viel Neues entdeckt, saßen in den letzten Tagen verunsichert in ihrem Hotel in der Nähe von Moskau – und die Nerven liegen jetzt schon blank.

Sie kennen die Vorbereitung auf ein WM-Duell aus ihrer Arbeit für Ex-Weltmeister Vichy Anand und den WM-Finalisten von 2018, Fabiano Caruana. Wie gehen die Spieler eine Weltmeisterschaft an?

Am Anfang trifft sich immer ein Gruppe Großmeister in einem Hotelzimmer. Das ist ein Brainstorming. Wir stellen uns die Frage, was können wir anders machen? Da geht es nicht nur um Schachvarianten, sondern z.B. auch um die physische Vorbereitung und um Ernährung. So formt sich dann in den Monaten vor dem WM-Kampf ein Team. Das haben alle Weltmeister so gemacht – mit Ausnahme von Bobby Fischer (Weltmeister 1972 – 1975), der hat oft alleine trainiert.