Ein entsetzter Uli Hoeneß stand schon am Rednerpult. Doch der Ehrenpräsident, der die in einem beispiellosen Chaos endende Jahreshauptversammlung des FC Bayern München über Stunden schweigend verfolgt hatte, verließ das Podium nach kurzer Zeit doch wortlos. Der Aufruhr einer Fan-Opposition mit Pfiffen und Buhrufen gegen die Bayern-Bosse mit Präsident Herbert Hainer als zentraler Reizfigur war rund um das Streitthema Katar-Sponsoring eskaliert.

Lautstarke „Hainer raus, Hainer raus“-Rufe hallten durch den Saal, nachdem der Klub-Präsident nach fünf Stunden Versammlung die Wortbeiträge abrupt gestoppt hatte. Ein so ausgebremstes Bayern-Mitglied stellte sich auf einen Stuhl und hielt seine Rede einfach ohne Mikrofon. „Wir sind Bayern – und ihr nicht“, riefen die empörten Mitglieder – und auch: „Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt.“ Der verstört und fassungslos wirkende Ehrenpräsident Hoeneß sagte dem Fachmagazin „Kicker“: „Darüber muss ich erst einmal schlafen. Das war die schlimmste Veranstaltung, die ich je beim FC Bayern erlebt habe.“

Wegen der verschärften Corona-Regeln waren nur knapp 800 der mehr als 280.000 Vereinsmitglieder anwesend, darunter augenscheinlich viele Kritiker der Bayern-Führung.

Katar-Antrag nicht zugelassen

Lange war die Jahreshauptversammlung gewohnt harmonisch verlaufen. Oliver Kahn hielt seine erste Rede als Vorstandschef und Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge. Er warnte vor „unbegrenzten“ Investoren-Geldern bei einigen Klubs in Europa und sprach von dem „fundamentalsten Wandel“, den der Fußball gerade erlebe.

Spätestens beim Tagesordnungspunkt Anträge kochte die Stimmung hoch. Ein Spontan-Antrag des Mitglieds Michael Ott, über die Beendigung der Partnerschaft mit der Fluglinie „Qatar Airways“ nach Vertragsende 2023 abzustimmen, wurde abgeschmettert. Vizepräsident Dieter Mayer verwies zur Begründung auf eine entsprechende Entscheidung des Münchener Landgerichts am selben Tag. Auch Otts Antrag, dass der Verein weiter 75…