Meinung

Jahreshauptversammlung
Der FC Bayern zeigt, dass er seinen moralischen Kompass längst verloren hat

Bayern Präsident Herbert Hainer forderte auf der Jahreshauptversammlung eine ruhige und sachliche Diskussion um das Thema Katar – mit Buhrufen war er überfordert.

© Ulrich Gamel/kolbert-press / DPA

von Phil Göbel
26.11.2021, 11:46 Uhr

Schon seit Jahren tänzelt der FC Bayern um das Thema Katar herum. Das Geld aus dem Wüstenstaat nimmt man gerne, Kritik ist dagegen unerwünscht. Wie der Verein mit seinen Mitgliedern umgeht, hat die Jahreshauptversammlung gezeigt.

Für die Führungsriege des FC Bayern muss sich dieser Abend der Jahreshauptversammlung angefühlt haben, wie das verlorene Elfmeterschießen 2012 im „Finale Dahoam“. Die Bosse des größten deutschen Clubs wirkten geschockt, fassungslos, erbost: Der Pöbel hatte aufbegehrt. Die Mitglieder des FC Bayern München e.V. hatten von ihrem Recht Gebrauch gemacht, ihren Mund aufzumachen und Kritik zu üben. Für die obersten Herren sehr offensichtlich ein Affront. Die Veranstaltung legte offen, wieso es seit Jahren zwischen Verein und Chefetage kriselt: Die Bosse zeigten sich verständnislos, arrogant, teilweise ekelhaft überheblich.

Im Königreich Säbener Straße ist Kritik unerwünscht. Ganz besonders, wenn es um ein Thema geht, das sehr sensibel, weil kostspielig ist: Katar. Mit Blick auf die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr stellen sich immer mehr Fans die Frage, wie man vergnügt ein Fußball-Turnier schauen kann, ohne sich mitschuldig zu machen, an den Menschenrechtsverletzungen, Ausbeutungen von Wanderarbeitern, offenem Sexismus und Unterdrückung von Minderheiten, wie es in dem Emirat der Fall ist. 

Für die Fans des FC Bayern ist dieses Problem ein noch viel persönlicheres. Ihr Verein kooperiert seit Jahren mit dem Wüstenstaat und ihre Spieler betreten Woche für Woche mit einem…