Auf den ersten Blick ist Thanksgiving mit dem deutschen Erntedankfest vergleichbar: In der christlichen Tradition danken die Menschen Gott für die Ernte. Allerdings ist der US-amerikanische Nationalfeiertag gesellschaftlich sehr viel tiefer verwurzelt und für viele Familien sogar bedeutender als Weihnachten.

Thanksgiving fällt immer auf den letzten Donnerstag im November, so verfügte es der damalige US-Präsident Abraham Lincoln im Jahr 1863. 1941 bestätigte der Kongress Thanksgiving als landesweiten Feiertag.

Ein Gemälde der „Mayflower“, mit der die sogenannten Pilgerväter in die Neue Welt aufbrachen

Die Tradition geht zurück auf die Pilgrim Fathers, die Pilgerväter, die sich 1620 von Plymouth aus aufgemacht hatten, um in der Neuen Welt ihren Glauben frei ausleben zu können. Zuvor lebten sie bereits im niederländischen Exil, weil sie der Kirche ihrer englischen Heimat entsagt hatten und verfolgt wurden.

Die Pilger praktizierten ein radikales Christentum, das sich allein nach der Bibel richtete und selbst Bischöfe als eine Erfindung Satans ablehnte. Historiker beschreiben diese dogmatische Glaubensausübung als Sekten-ähnlich, erzkonservative Kreise in den USA beziehen sich noch heute auf die Gründungsväter.

Unter den Pilgervätern waren Frauen und Kinder

Unter den 102 Passagieren, die am 16. September 1620 in See stachen, waren – und das steht im Widerspruch zum Begriff „Pilgerväter“ – auch Frauen und Kinder sowie Männer, die mit dem Glauben wenig am Hut hatten und eher als Abenteurer galten. Schließlich landete die „Mayflower“, ein rund 30 Meter langer Dreimaster, aufgrund von Stürmen weiter südlich als geplant, im heutigen Provincetown in Massachusetts.

Weil die Pilger nicht genügend Vorräte hatten und auf den sandigen Böden kein Ackerbau möglich war, zogen sie bald weiter auf die andere Seite der Bucht, wo sie im Dezember 1620 die Plymouth Colony gründeten. Den Winter überstanden die Siedler aber nur mithilfe der Ureinwohner…