Wendelstein 7-X
Kernfusion als Energiequelle – zu spät und ausgebremst?

Blick auf Kohlestoff-Kacheln im ringförmigen Plasmagefäß des Forschungsreaktor «Wendelstein 7-X». Foto: Stefan Sauer/dpa

© dpa-infocom GmbH

Die Verheißungen von Kernfusion sind groß: nahezu unerschöpfliche Energie – sicherer als Kernspaltung und sauber. In Greifswald soll bald ein wichtiger Schritt gemacht werden. Doch auch die Kritik ist groß.

Wie eine Raumstation, die mitten in Vorpommern gelandet ist, sitzt Wendelstein 7-X in einer quadratischen 30-Meter-Halle im Südosten Greifswalds.

Ein 1000 Tonnen schwerer Wust aus Stahlteilen, Rohren und Kabeln und – weil hier trotz allem Schwerkraft herrscht – umringt von Baugerüsten. Dennoch geht es um etwas Außerirdisches und den Versuch, es auf die Erde zu holen: Energiegewinnung mittels Kernfusion.

Von der primärsten aller primären Energiequellen spricht Thomas Klinger, der das Projekt leitet. «Das sind die Kraftwerke des Weltalls.» Die Sonne und Sterne erzeugen ihre Energie mittels Kernfusion. Ob fossile Brennstoffe, Kernspaltung, Wind- oder Solarenergie – all diese Quellen würden bereits genutzt. «Und dann ist da ein Topf, der ist noch zu.» In diesem Topf steckt ein gewaltiges Potenzial: Mit zwei Litern Wasser und einem halben Pfund Gestein ließe sich der Strombedarf einer Familie für ein ganzes Jahr decken – und das ohne CO2 zu erzeugen. Einen zehn Millionen Mal höheren Brennwert als Kohle habe der Brennstoff, erklärt Klinger. Die Physik dahinter sei gut erforscht. Wasserstoff-Atomkerne verschmelzen zu Helium und setzen dabei enorme Mengen Energie frei.

Aufgeheizt auf mehr als 100 Millionen Grad

Soweit die Theorie. Technisch ist die Herausforderung gigantisch. Auf über 100 Millionen Grad muss dazu Plasma aufgeheizt werden. Plasma ist elektrisch leitend und seine Teilchen können sich noch…