Aus Sicht von Kritikern steht Ahmed Nasser al-Raisi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) für einen aggressiven Sicherheitsapparat, in dem Menschen mit kritischer Haltung gegenüber der Regierung willkürlich festgenommen oder gar gefoltert werden. In mindestens fünf Ländern wurden gegen ihn im Zusammenhang mit Foltervorwürfen Klagen eingereicht. So in Frankreich, wo Interpol seinen Sitz hat, und in der Türkei. Dort heißt es in einer Anzeige des Golfzentrums für Menschenrechte (Gulf Center for Human Rights, GCHR), es gebe klare Beweise, dass er für „Folterpolitik“ gegen politische Gegner verantwortlich sei.

Ungeachtet dessen ist der Generalmajor aus den VAE nun im türkischen Istanbul zum Nachfolger des Südkoreaners Kim Jong Yang bestimmt worden, wie Interpol im Online-Dienst Twitter mitteilte.

Die Vollversammlung der 195 Mitgliedsstaaten der internationalen Polizeiorganisation wählt regulär alle vier Jahre einen neuen Chef. Das Amt beinhaltet eher repräsentative Aufgaben. Die tägliche Arbeit am Dienstort im französischen Lyon leitet der Generalsekretär. Diesen Posten übernahm 2014 der Deutsche Jürgen Stock. Im Oktober 2019 wurde er für eine zweite fünfjährige Amtszeit bestätigt.

Menschenrechtler befürchten Ansehensverlust      

Menschenrechtler befürchten mit der Besetzung des Chefpostens durch Al-Raisi einen Reputationsverlust der Polizeibehörde. „Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass die Wahl von Generalmajor Al-Raisi den Ruf von Interpol schädigen und die Fähigkeit der Organisation, ihre Mission effektiv zu erfüllen, ernsthaft beeinträchtigen würde“, hieß es vor einigen Tagen in einem Brief von drei EU-Abgeordneten an EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Das Schreiben unterzeichnete auch die Leiterin des Unterausschusses für Menschenrechte, Marie Arena.

Human Rights Watch und 18 weitere Menschenrechtsorganisationen hatten Al-Raisi im Oktober 2020 vorgeworfen, als „Teil des Sicherheitsapparates“ der Vereinigten Arabischen…