„The Big O“ wurde das für die Olympischen Sommerspiele 1976 errichtete Stadion in Montreal einst liebevoll genannt. Heute spricht man in der kanadischen Metropole vom „Big Owe“ – in den aufwendigen Bau und die Instandhaltung des Stadions mit der  extravaganten Dachkonstruktion sind in über 30 Jahren 264 Millionen kanadische Dollar geflossen. Und die – sinngemäß übersetzt – „großen Schulden“, die Montreal erst 30 Jahre nach den Spielen abbezahlt hatte, werden weiter große Kosten verursachen. Das bald benötigte dritte Dach dürfte erneut hunderte Millionen verschlingen, wie es in der CBC-Dokumentation „The Big Woe“ zum 45-jährigen Bestehen des Stadions hieß. 

Nach den Spielen wurde das Stadion regelmäßig von den in Montreal ansässigen Baseball-, bzw. Football-Teams genutzt. Doch die haben die Stadt längst verlassen und so fristet das Stadion heute einen Großteil seines Daseins als sogenannter „weißer Elefant“. Überdimensioniert, nur selten genutzt, teuer im Unterhalt: Nicht nur in Montreal verschlingt ein Stadion ohne echten Zweck viel Geld. In vielen Gastgeberländern von Olympischen Spielen oder Fußball-Weltmeisterschaften stehen solche „weißen Elefanten“. Besonders viele von ihnen findet man in Südafrika, Gastgeber der WM 2010. Für die erste WM auf dem afrikanischen Kontinent errichtete man vielerorts aufwendige Stadien, wo es gar keinen Bedarf gab. Doch der Glanz der WM sollte damals auch in der Provinz des Landes sicht- und spürbar sein, etwa in Polokwane oder Mbombela, das während der WM 2010 noch Nelspruit hieß.

Katars Stadion 974

Auch in Katar könnten eines Tages „weiße Elefanten“ stehen. Der Wüstenstaat wird 2022 das kleinste Land sein, das je eine WM ausgerichtet hat, und lässt für das Mega-Event seit Jahren neue Stadien errichten. Stadien, auf deren Baustellen Arbeiter – vornehmlich aus Nepal, Pakistan oder Bangladesch – unter katastrophalen Bedingungen in Bezug auf Versorgung, Sicherheit und Unterbringung arbeiten und die…