Der Engländer Charles Cunningham Boycott, geboren 1832, war ein so übler Menschenschinder, dass irgendwann niemand mehr etwas mit ihm zu tun haben wollte. Die Pächter seiner Ländereien in Irland zahlten ihre Pachtzinsen nicht mehr, alle Mitarbeiter kündigten, niemand kaufte oder verkaufte mehr an ihn, selbst die Post an Boycott wurde nicht mehr zugestellt. Die Strategie, sich kollektiv zu verweigern, wird seither in Anlehnung an die Protestform der irischen Bauern Boykott genannt.

Den Olympischen Winterspielen in Peking vom 4. bis 20. Februar 2022 droht ein diplomatischer Boykott. Die USA und Großbritannien erwägen nach eigener Aussage, aus Protest gegen andauernde Menschenrechtsverletzungen in China keine hochrangigen Regierungsvertreter zu den Spielen zu schicken. Weltweit wird der Ruf lauter, ein solches Zeichen zu setzen.

Potential, die Spiele zu beschädigen

„Wir werden erleben, dass sich Nichtregierungsorganisationen in den nächsten Monaten noch intensiver zu Wort melden und damit den Druck auf nationale Regierungen verstärken“, sagt Jürgen Mittag, Sportpolitik-Experte der Deutschen Sporthochschule in Köln. Der Wissenschaftler rechnet damit, dass der Prozess voraussichtlich Mitte Januar seinen Höhepunkt erreicht. Dann, so Mittag gegenüber der DW, „wird man sehen können, ob es wirklich eine konzertierte Aktion gibt, ob also eine größere Zahl von Staats- und Regierungschefs nicht vor Ort sein werden. In diesem Fall wären die Olympischen Spiele sicherlich beschädigt. Und die chinesische Führung hätte nicht realisiert, was sie sich eigentlich von diesen Spielen erhofft: eine positive Präsentation und damit vor allem eine stärkere Zustimmung zum eigenen Land.“

Protest eines Olympia-Gegners in der australischen Hauptstadt Sydney

Bei Olympischen Spielen haben Boykotte und Boykottdrohungen aus politischen Gründen eine lange Tradition. So nahmen Spanien, die Niederlande und die Schweiz nicht an den Sommerspielen 1956 in Melbourne teil – aus Protest gegen…