„Mehr Fortschritt wagen“, unter dieses Motto hat die neue Regierungskoalition aus SPD, Grünen und Liberalen ihre vierjährige Amtszeit gestellt. Was das für die Kultur heißt, lässt sich im Koalitionsvertrag, der an diesem Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, aus fünf Seiten herauslesen. Demnach könnte es in diesem Bereich schon bald alternativer, gerechter und diverser zugehen. Bei wichtigen Projekten steht die Ampel dagegen auf „Weiter so!“. Umsetzen soll diesen „Aufbruch“ nun Claudia Roth, die erste grüne Kulturlenkerin auf Bundesebene überhaupt.

Wer ist die Neue? Vor allem aber: Was wird, was kann sie anders machen als ihre langjährige Amtsvorgängerin Monika Grütters (CDU)? Die Merkel-Vertraute Grütters, das ist unbestritten, hat dem Amt der obersten Kulturverwalterin, das vor über 20 Jahren unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder und entgegen vieler Vorbehalte eingerichtet wurde, zu hohem Ansehen verholfen. Zwar ist Kultur der deutschen Verfassung nach Ländersache – doch viele Themenfelder im komplexen und hochpolitischen Kulturbereich kann eben nur der Bund beackern. Monika Grütters hat das in den letzten acht Jahren vorgeführt.

Corona-Hilfen für die Kultur

So kommt es, dass auch Claudia Roth – zumal auf dem Höhepunkt der vierten Pandemiewelle – nicht anders kann, als Bewährtes weiterzuführen, allem voran die milliardenschwere Corona-Wiederaufbauhilfe für Kulturschaffende- und Institutionen. Sie trägt noch Grütters Handschrift. „Die Neustart-Programme führen wir zunächst fort, um den Übergang nach der Pandemie abzusichern“, heißt es dazu im Koalitionsvertrag. Soll heißen: Der Corona-geschädigten Kultur- und Kreativwirtschaft will auch das rot-grün-gelbe Regierungsbündnis schnell wieder auf die Beine helfen.

Die Neue und ihre Vorgängerin: Claudia Roth (B90/Grüne) und Monika Grütters (CDU)

Die Kulturstiftung des Bundes und den Bundeskulturfonds – aus beiden fließt viel Geld an Einrichtungen und Projekte von nationaler Bedeutung – möchte…