Eigentlich wäre die Bleistiftzeichnung, die in der Online-Auktion vom 16. bis 24. November angeboten wird, nicht weiter zu beachten. Der Wert des kleinformatigen Bildnisses wird vom Auktionshaus Christie’s auf 1000 bis 1500 Euro geschätzt. Doch die Herkunft ist umso brisanter: Die Zeichnung befand sich ursprünglich im Besitz des 1942 in Auschwitz ermordeten jüdischen Musikverlegers und Kunstsammlers Dr. Henri Hinrichsen. Das Bild ist eines der über 1500 Werke aus der Sammlung Cornelius Gurlitt. Dabei handelt es sich um den 2014 verstorbenen Sohn des Nazi-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt.

Zeichnung „Das Klavierspiel“ von Carl Spitzweg

Laut der geschäftsführenden Kulturstaatsministerin Monika Grütters soll es sich um das letzte der 14 Werke handeln, die in der Sammlung bislang als NS-Raubkunst identifiziert wurden. Es stellt ein musizierendes Paar dar, dem eine ältere Dame auf einem Sofa lauscht. Das Bild des deutschen Malers und Dichters wurde Anfang des Jahres restituiert und von dem Erben des ehemaligen Eigentümers an Christie’s übergeben. Die Zeichnung diente einem Ölgemälde auf Karton als Vorlage, das um 1840 entstand und sich heute in Privatbesitz befindet. 

Fall Gurlitt wurde zum Skandal

Mit der Versteigerung geht auch eine Geschichte voller Missverständnisse und Vorverurteilungen zu Ende. Der Fund der Kunstsammlung Gurlitt im Jahr 2012 sorgte international für Aufsehen. Der Rentner war dem Zoll bei einer Zugfahrt über die Schweizer Grenze aufgefallen. Bei einer Leibesvisitation kamen 9000 Euro zum Vorschein. Die Beamten wurden hellhörig, Ermittlungen wurden eingeleitet und schließlich eine Wohnungsdurchsuchung angeordnet. Was folgte, war ein Kunstkrimi: In Gurlitts Wohnung – und später auch in einem Haus in Salzburg – tauchten mehr als 1500 Kunstwerke auf; Gemälde, Drucke, Radierungen und Stiche, darunter Monet, Picasso, Liebermann, Beckmann und Matisse. Sie wurden wegen des Verdachts auf NS-Raubkunst beschlagnahmt.

Verschrobener…