Exklusiv

Belarus
Bei den Olympischen Spielen in Tokio wäre sie fast entführt worden. Kristina Timanowskaja über die Angst, die sie nicht loslässt

Kristina Timanowskaja

© Kasia Strek

von Steffen Gassel sowie von Paul Flückiger
24.11.2021, 12:16 Uhr

Nur mit Glück entkam Kristina Timanowskaja auf dem Flughafen in Tokio den Häschern des Lukaschenko-Regimes. Seitdem lebt sie in Polen. Mit dem stern sprach sie über die Methoden des belarussischen Regimes, die Angst, die sie ständig begleitet und ihr Leben als Sportlerin im Exil.

Nach monatelanger Zurückgezogenheit hat die belarussische Sprinterin Kristina Timanowskaja in einem exklusiven Interview mit dem stern ausführlich über ihr Leben im polnischen Exil gesprochen. Am Rande der Olympischen Spiele in Tokio hatte die 35-Jährige sich Anfang August in einer Aufsehen erregenden Aktion der Kontrolle belarussischer Sportfunktionäre entzogen, die sie zur Rückkehr nach Minsk zwingen wollten. Timanowskaja hatte sich am Haneda Airport der japanischen Hauptstadt in die Obhut der japanischen Polizei geflüchtet.

„Dieser Entschluss hat mein Leben völlig durcheinandergewirbelt“, sagt Timanowskaja zum stern. „Er hat mir viel Hass und viele Drohungen eingebracht. Aber ich würde heute wieder genauso handeln.“

Interview

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Ihre Großmutter habe sie zuvor am Telefon vor einer Rückkehr nach Belarus gewarnt. „Sobald ich in Belarus landen würde, sollte ich in eine psychiatrische Klinik gebracht werden. Alles war vorbereitet“, sagt Timanowskaja. Sie habe befürchtet, ein ähnliches Schicksal zu erleiden wie der belarusissche Oppositionelle Raman Pratasewitsch, den das Lukaschenko-Regime im Mai nach der erzwungenen…