Die Zahl der angezeigten Gewalttaten unter Paaren und Ex-Partnern ist 2020 noch stärker gestiegen als in den Jahren zuvor. Laut einer aktuellen Kriminalstatistik zur Partnerschaftsgewalt registrierten die deutschen Behörden im vergangenen Jahr bundesweit 146.655 Fälle, in denen ein aktueller oder ehemaliger Partner Gewalt ausübte oder dies versuchte. Das entspricht einem Anstieg um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das Bundeskriminalamt (BKA) und das Familienministerium verwiesen indes auf eine hohe Dunkelziffer. „Die meisten Straftaten geschehen in den privaten vier Wänden, im Verborgenen“, stellte BKA-Präsident Holger Münch bei der Präsentation der Zahlen fest. Jede Stunde würden in Deutschland durchschnittlich 13 Frauen Opfer von Gewalt in Partnerschaften, erläuterte Bundesfrauenministerin Christine Lambrecht die Statistik. Alle zweieinhalb Tage werde eine Frau durch eine Gewalttat ihres Partners oder Ex-Partners getötet. „Das dürfen wir nicht länger zulassen, wir müssen da ganz klare Kante zeigen“, forderte die SPD-Ministerin.

139 Frauen und 30 Männer wurden von ihrem aktuellen oder ehemaligen Partner getötet. Wenn sich jemand bei der Polizei meldete, ging es meistens – in 61,6 Prozent der Fälle – um vorsätzliche einfache Körperverletzung. Bedrohung, Stalking oder Nötigung wurden deutlich seltener angezeigt. Weitere Delikte, die diese Statistik erfasst, sind unter anderem gefährliche Körperverletzung, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, Zwangsprostitution, Mord und Totschlag.

Wer sind die Täter? Wie die Daten des BKA zeigen, geht die Gewalt nach wie vor zum überwiegenden Teil von Männern aus. Der Anteil weiblicher Tatverdächtiger ist in den vergangenen Jahren jedoch leicht gestiegen – auf nun 20,9 Prozent.

Von den erfassten Tätern sind rund 34 Prozent Ausländer. Hier fällt auf, dass der Anteil der Männer bei den syrischen Tatverdächtigen mit 91,5 Prozent und bei den türkischen Verdächtigen mit 88,3 Prozent überdurchschnittlich ist,…