„Der Fall von Peng Shuai zeigt sehr deutlich, wie leicht sogar prominente Personen ein großes Risiko eingehen, Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu werden, wenn sie sich aus Sicht der chinesischen Behörden missliebig verhalten“, sagt Dirk Pleiter, China-Experte von Amnesty International Deutschland, der DW. In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Menschenrechtslage in China stetig verschlechtert.

Die 35 Jahre alte Tennisspielerin Peng Shuai hatte am 2. November auf der chinesischen Social-Media-Plattform Weibo den früheren Vizepremier Zhang Gaoli beschuldigt, sexuell übergriffig geworden zu sein. Nachdem sie vor zehn Jahren vorübergehend eine Affäre gehabt hätten, habe Zhang sie 2018 in seiner Wohnung gegen ihren Willen zum Sex zwingen wollen, schrieb Peng: „Ich kann nicht beschreiben, wie angewidert ich war und wie oft ich mich gefragt habe, ob ich noch ein Mensch bin. Ich fühle mich wie eine wandelnde Leiche.“

Kritik an IOC wegen Bachs Videogespräch mit Peng

Der Post war wenig später gelöscht worden, Suchanfragen nach Peng auf Weibo hatten keine relevanten Ergebnisse mehr gebracht, Diskussionen zum Thema waren blockiert worden. Danach hatte sich die Spur der Tennisspielerin zunächst verloren. Am vergangenen Sonntag hatte Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), dann eine halbe Stunde lang per Videoschalte mit Peng sprechen können. Nach Angaben des IOC hatte Peng dabei erklärt, dass sie in Sicherheit und wohlauf sei.

Das IOC, so Dirk Pleiter von Amnesty Deutschland, laufe Gefahr, sich „zum Komplizen der repressiven Politik der chinesischen Behörden zu machen. Letztere sind dafür verantwortlich, dass die Sicherheit von Peng Shuai garantiert ist und ihre Vorwürfe untersucht werden.“

Das sieht auch die Europäische Union so. EU-Sprecherin Nabila Massrali forderte China auf, einen „überprüfbaren Beweis“ für den Aufenthaltsort und das Wohlergehen der Tennisspielerin vorzulegen. „Wir bestehen auf eine vollständige und…