Archäologie
Skelette von Leprafriedhof liefern historische Einblicke

Der Fund von rund 400 Skeletten auf einem früheren Leprafriedhof ist für die Wissenschaft von großer Bedeutung. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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Bauarbeiter fanden 2020 in Freiburg menschliche Knochen – ein archäologischer Fund aus mittelalterlicher Zeit. Anderthalb Jahre und über 400 Skelette später gibt es erste Erkenntnisse.

Diese Baugrube ist eine besondere – das wird schon daran deutlich, dass die Männer hier mit Pinseln im Erdreich unterwegs sind. Wo mal die Zufahrt zu einer Tiefgarage entstehen soll, legen sie an diesem Morgen wieder einen Schädelknochen frei.

Mehr als 400 Skelette haben sie an der Baustelle in Freiburg seit dem vergangenen Jahr zutage gefördert. Das Gros der Toten: ehemalige Bewohner eines sogenannten Leprosen- oder Gutleuthauses. Das Gebäude, das Leprakranke beherbergte, wurde erstmals im Jahr 1251 erwähnt. 1632, während des Dreißigjährigen Kriegs, brannte es ab.

Die Lepra ist eine der ältesten bekannten Infektionskrankheiten. Das Bakterium Mycobacterium leprae befällt nach Angaben der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe Haut und Nervensystem. Im Verlauf bilden sich Beulen und Knoten auf der Haut und auf Dauer Nervenschäden, Betroffene verlieren das Gefühl in Händen oder Füßen. Einen Impfstoff gibt es nicht, Lepra ist aber mit Hilfe von Antibiotika heilbar.

Lepra noch immer aktiv

Während die Krankheit in Deutschland vor 300 Jahren verschwand, infizieren sich jedes Jahr weltweit Hunderttausende Menschen neu – vorwiegend in tropischen und subtropischen Ländern der Südhalbkugel.

Dass in Freiburg ein Leprosenhaus stand, wusste man. Daher war auch der Knochenfund keine Überraschung, wie Bertram Jenisch vom Landesamt für Denkmalpflege im…