von Marc Drewello
24.11.2021, 08:08 Uhr

Der wirtschaftliche Kollaps nach der Machtübernahme durch die Taliban treibt den afghanischen Mittelstand in Armut und Hunger – und ohnehin schon arme Familien zu verzweifelten Entscheidungen.

Afghanistan leidet unter einer gewaltigen Wirtschaftskrise. Der islamischen Republik ging es auch vor der Eroberung durch die Taliban nicht besonders gut, doch seit die Islamisten in Kabul an der Macht sind, hat sich die Lage dramatisch verschlechtert. Hilfsorganisationen zufolge zeichnet sich eine humanitäre Katastrophe in dem Land ab. Eine Dürre und der anstehende Winter mit steigenden Preisen verschärfen die Lage weiter. Die Vereinten Nationen warnten bereits Ende Oktober vor einer Hungersnot, weil von November an mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht ausreichend zu essen haben werde.

Sogar Familien, die bisher dem Mittelstand angehörten, sind in die Armut abgerutscht und von Hunger bedroht. Sie haben ihre Arbeit verloren, sind auf Lebensmittelspenden angewiesen und können das Schulgeld für ihre Kinder nicht mehr bezahlen. Manche Familien sind in so großer Not, dass sie ihre eigenen Kinder verkaufen, um zu überleben.

Uno hilft mit Lebensmitteln und Geld

„Wir haben alles verloren. Wir haben den Verstand verloren“, erzählt Ferishta Salihi der Nachrichtenagentur Associated Press (AP), nachdem sie sich in Kabul beim Welternährungsprogramm der Uno registrieren lassen hat, um Lebensmittelhilfen und Bargeld zu erhalten. Vor nicht allzu langer Zeit hätten sie noch ein gutes Leben geführt. Ihr Mann habe bei der Weltbank gearbeitet und ein gutes Gehalt bekommen. Mehrere ihrer Töchter hätten Privatschulen besucht. Doch nach der Machtübernahme der Taliban habe ihr Mann seinen Job verloren. Die Schulgebühren könnten sie sich jetzt nicht mehr leisten, und die Taliban erlaubten Mädchen im Teenageralter bisher nicht,…