Fast täglich versuchen große Migrantengruppen von Frankreich über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen. Viele geraten dabei in Seenot und nun ist ein solches Boot gekentert. 31 Menschen sind gestorben. Unter den Opfern ist auch ein kleines Mädchen. Zwei weitere Menschen, die sich auf dem Boot befanden, seien gerettet worden, schwebten aber in Lebensgefahr, wie Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin in Calais sagte. Vier Schleuser, die möglicherweise an der gescheiterten Überfahrt beteiligt waren, seien festgenommen worden. „Das ist das größte Drama, was wir bisher erlebt haben.“

Die Besatzung eines Bootes der französischen Marine sah am Nachmittag vor der Küste von Calais Menschen im Wasser treiben. Mehrere Schiffbrüchige seien teils bewusstlos von der Marine an Bord genommen worden, teilte das Innenministerium mit. Drei Hubschrauber und drei Boote waren an der Rettungsaktion beteiligt.

„Der Ärmelkanal darf sich nicht in einen Friedhof verwandeln“

Präsident Emmanuel Macron fordert eine Dringlichkeitssitzung der Minister, die in den EU-Mitgliedstaaten für Migrationsfragen zuständig sind. „Frankreich wird nicht zulassen, dass sich der Ärmelkanal in einen Friedhof verwandelt“, heißt es in einer Erklärung Macrons. Darin fordert er zudem eine umgehende Verstärkung der EU-Grenzschutzbehörde Frontex. Gemeinsam mit Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und Deutschland müsse verstärkt gegen kriminelle Schleusernetzwerke vorgegangen werden.

Mehr als 40 Menschen starteten in diesem Schlauchboot zur Kanalüberquerung

Vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass die Polizei 15 mutmaßliche Schlepper aus dem Irak, Rumänien, Pakistan und Vietnam in Gewahrsam genommen hat. Sie sollen monatlich etwa 250 Migranten in Booten nach Großbritannien gebracht haben. Für die Überfahrt hätten sie 6000 Euro pro Person erhalten und insgesamt drei Millionen Euro Gewinn gemacht. Seit Jahresbeginn sollen 1552 Schleuser an der französischen Küste gefasst…