Die Vereinten Nationen haben vor schweren Folgen eines Zusammenbruchs des afghanischen Bankensystems gewarnt. Die wirtschaftlichen Kosten mit den gesellschaftlichen Folgen seien „kolossal“, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP). Je länger die Verzögerung der Wiederherstellung des Finanz- und Bankensystems dauere, desto länger sei die Erholungsphase aufgrund des folgenden Vertrauensverlusts der internationalen Märkte. Diese Erosion sei schwer zu beheben und könne Jahrzehnte dauern. Der Schutz wenigstens eines Teils des kommerziellen Bankensystems sei zudem notwendig, um humanitäre Hilfe leisten zu können.

Immer mehr Menschen könnten Kredite nicht zurückzahlen, es gebe kaum noch Einlagen von Sparern und den Banken drohe eine Liquiditätsknappheit. Westliche Banken hatten dem Land nach der Machtübernahme durch die radikalislamischen Taliban im Sommer den Geldhahn zugedreht und Gelder der afghanischen Zentralbank eingefroren. Die Wirtschaft ist im freien Fall, den Menschen droht eine Hungersnot.

„Afghanistans Finanz- und Bankensystem ist aus den Fugen“, schreiben Experten in dem dreiseitigen Bericht. „Das Problem von Bank-Runs muss schnell gelöst werden, um den Zusammenbruch des ganzen Systems zu verhindern.“ Nachdem die Taliban im August die Macht übernommen hatten, waren zahlreiche Menschen zu Banken gestürmt, um Bargeld zu holen. Seither geben die Institute nur noch eine begrenzte Menge Bargeld heraus. Das Bankensystem ist schon seit Jahren in einem schlechten Zustand, in den vergangenen Monaten hat sich die Lage verschärft.

Warteschlange vor einer Bank in Kabul

Wiederaufbau in Afghanistan könnte Jahrzehnte dauern

„Wir müssen einen Weg finden, um sicherzustellen, dass wir nicht die Taliban unterstützen, wenn wir den Banken helfen“, sagte Abdallah al Dardari, Chef des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) in Afghanistan zu Reuters. „Wir sind in einer so schlimmen Situation, dass wir alle…