von Daniel Bakir
22.11.2021, 11:43 Uhr

Jahrelang verfolgte Frugalist Oliver Noelting den Plan, im Alter von 40 finanziell ausgesorgt zu haben. Dann wurde er Vater – und steckte sich neue Ziele. Was bleibt vom Traum der finanziellen Unabhängigkeit?

Als Oliver Noelting nach dem Studium seinen ersten Job als Softwareentwickler begann, leistete er sich weder ein Auto, noch eine große Wohnung. Auch an teure Urlaube, Flachbildfernseher und anderen materiellen Luxus verschwendete er keinen Gedanken. Stattdessen machte er sich einen Plan: Wenn er jeden Monat nur das Nötigste ausgäbe, und den Rest am Kapitalmarkt investiert, könnte er mit 40 Jahren genug Geld beisammen haben, um nie mehr arbeiten zu müssen.

Frugalismus nennt sich die Idee, durch Extremsparen schon in jungen Jahren finanziell ausgesorgt zu haben. Sie stammt aus den USA, wo unter dem Begriff „FIRE“ (Financial Independence, Retire Early) eine Bewegung entstanden ist, deren Mitglieder vom vorzeitigen Ausstieg aus dem Hamsterrad Arbeitsleben träumen – und die sich in Blogs und Foren darüber austauschen.

Wie der Weg zur finanziellen Freiheit in Deutschland funktionieren kann, beschreibt Oliver Noelting seit bald sechs Jahren auf seinem bekannten Blog frugalisten.de. Dort gibt er detaillierte Einblicke in seine alltäglichen Ein- und Ausgaben sowie seine Spar- und Investmentstrategie. Diese sah vor, trotz gutem Gehalts einfach weiterzuleben wie ein Student und 70 Prozent des Arbeitseinkommens zur Seite zu legen. Bis zum 40. Geburtstag wollte Noelting so ein Vermögen von 425.000 Euro zusammenzusparen – und fortan von diesem Geld zu leben. Ein Masterplan, den viele Blog-Leser als Inspiration nahmen, um selbst auf die finanzielle Freiheit hinzuarbeiten. 

„Die Rente mit 40 ist tot“

Vor einigen Monaten aber schockte Noelting seine Frugalisten-Community mit einem Geständnis: „Die Rente mit 40…