von Christine Leitner
21.11.2021, 14:29 Uhr

Nach dem politischen Beben, das Österreich Anfang Oktober erschütterte, ist es ruhig geworden um Sebastian Kurz. Dabei laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Eine Rekonstruktion der Ereignisse.

Blickt man dieser Tage nach Österreich, dominiert – wie fast überall – das Coronavirus. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass das Land vor einer ganz anderen Krise stand. Am 9. Oktober verkündete der damalige Kanzler Sebastian Kurz seinen Schritt zur Seite. Der jetzige Altkanzler und amtierende Klub- und Parteiobmann der Österreichischen Volkspartei war durch Chatverläufe unter Druck geraten, die tief blicken ließen hinter die geschniegelten Kulissen der Wiener Politik. Ihm und neun weiteren Beschuldigten wird Bestechung, Bestechlichkeit und Untreue vorgeworfen.

Dazu gesellen sich weitere Vorwürfe. So soll Kurz die Nähe zu Großspendern gepflegt und mit seiner Partei die Wahlkampfkostenobergrenze 2017 überschritten haben. In Österreich dürfen Parteien in den letzten 82 Tagen vor der Wahl nur sieben Millionen Euro ausgeben. Österreichischen Medienberichten zufolge soll die ÖVP damals 12,96 Millionen Euro ausgegeben haben. Es war das zweite Mal, dass die Partei das Finanzbudget in diesem Zusammenhang überschritt. Für die Partei bedeutete das eine saftige Geldstrafe von 800.000 Euro. Zudem wird gegen Kurz wegen Falschaussage im Ibiza-Untersuchungsausschuss ermittelt.

Das ist allerdings die geringste Sorge, die der Altkanzler derzeit haben dürfte. Derzeit ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gegen den 35-Jährigen, weil er sich mithilfe geschönter Umfragen und positiv erkaufter Berichterstattung 2016/17 zunächst an die Spitze der ÖVP und ins österreichische Kanzleramt katapultiert haben soll. Die Geschichte löste als „Inseraten-Affäre“ ein großes Medienecho und ein politisches Beben aus. Das…