P. Köster: Kabinenpredigt
Der Fall Markus Anfang: Was bleibt, ist Fassungslosigkeit

Bequemlichkeit oder Angst vor der Impfung: Wie kann ein Trainer wie Markus Anfang seine Karriere aufs Spiel setzen?

© Armin Weigel / DPA

Werder-Trainer Markus Anfang hat offenbar seinen Impfpass gefälscht und tritt zurück – das macht fassungslos. Doch der Fall zeigt, wie sehr im Fußball beim Thema Corona Hybris, Ignoranz und Leichtsinn regieren.

Plötzlich ging alles ganz schnell. Am späten Freitagnachmittag war öffentlich geworden, dass die Staatsanwaltschaft Bremen gegen Markus Anfang, den Trainer des örtlichen Zweitligisten SV Werder ermittelt. Der spektakuläre Vorwurf: Nutzung eines gefälschtes Impfzertifikats. Die Chargennummer und das Datum der Impfung hatten den Argwohn des Gesundheitsamtes erregt.

Nicht einmal 24 Stunden später war schon alles vorbei. Da hatte der Klub den Rücktritt des Coachs und seines Assistenten bekannt gegeben. Und obwohl Anfang lavierte, er habe sich lediglich „aufgrund der inzwischen extrem belastenden Lage für den Verein, die Mannschaft, meine Familie und auch mich“, für den vorzeitigen Abgang entschieden, war die Demission ein Schuldeingeständnis. Hätten die Vorwürfe keine Substanz, wäre Anfang niemals zurückgetreten.

Es ist kein Einzelfall, sondern symptomatisch

Zurück bleibt Fassungslosigkeit! Über einen Coach, der offenbar aus Bequemlichkeit oder unreflektierten Ängsten die Impfung gegen eine schwere Krankheit vortäuschte, sich noch nicht einmal die Mühe machte, den Termin der Zweitimpfung mit seinem Kalender abzugleichen – und für den Fall der Entdeckung riskierte, seine komplette Karriere aufs Spiel zu setzen.

Philipp Köster: Kabinenpredigt

Philipp Köster, Jahrgang 1972, ist Gründer und Chefredakteur des Fußballmagazins „11 Freunde“. Er sammelt Trikots und…