Mehr als 55 Jahre nach der Ermordung des US-Bürgerrechtlers Malcolm X ist die Verurteilung zweier Männer wegen Mordes aufgehoben worden. Die New Yorker Richterin Ellen Biben erklärte die Schuldsprüche gegen den heute 83-jährigen Muhammad Aziz und den 2009 verstorbenen Khalil Islam für ungültig. Beide Männer waren 1966 zu lebenslanger Haft verurteilt und Mitte der 1980er Jahre nach rund zwei Jahrzehnten Gefängnis freigelassen worden.

„Ich bedauere, dass dieses Gericht die schweren Justizirrtümer nicht rückgängig machen und Ihnen die vielen verlorenen Jahre zurückgeben kann“, sagte Biben an die Adresse von Aziz und die Familie Islams.

„Wir können es nicht wiedergutmachen“

Der New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance, der die Überprüfung eingeleitet hatte, entschuldigte sich für eine „jahrzehntelange Ungerechtigkeit“. Im Zuge 22-monatiger Ermittlungen sei klar geworden, dass die beiden Männer nach der Ermordung von Malcolm X im Jahr 1965 „keinen gerechten Prozess erhalten haben“. „Wir können nicht wiedergutmachen, was diesen Männern und ihren Familien weggenommen wurde“, sagte der Bezirksstaatsanwalt von Manhattan. Zumindest aber müsse die Geschichte richtiggestellt werden.

Saß zwei Jahrzehnte unschuldig im Gefängnis: Muhammad Aziz

Malcolm X war am 21. Februar 1965 bei einem Auftritt im New Yorker Stadtteil Harlem von drei Angreifern erschossen worden. Die wenig später festgenommenen Aziz und Islam beteuerten ihre Unschuld und konnten Alibis vorweisen. Sie wurden dennoch im folgenden Jahr zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein dritter Verurteilter, Mujahid Abdul Halim, hatte in dem Prozess die Tat gestanden, die beiden anderen Männer aber als unschuldig bezeichnet. Der Schuldspruch gegen ihn bleibt bestehen.

„Klassisches Beispiel für Voreingenommenheit“

Der Washingtoner Rechtsanwalt Gene Rossi, der vormals für das US-Justizministerium tätig war, sagte der Deutschen Welle, der Fall sei ein „klassisches Beispiel“ für Voreingenommenheit von…