In einem Jahr beginnt die umstrittene Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Ich bin offenbar einer der wenigen, die daran glauben, dass diese WM gut ist.

Zunächst einmal müssen wir uns fragen, warum so viele im Fußball gegen die Veranstaltung sind und mit einem Boykott gedroht haben. Der Zeitung The Guardian zufolge sind in Katar über 6500 Wanderarbeiter ums Leben gekommen, seitdem das Land 2010 den Zuschlag für die Ausrichtung der WM erhalten hat. Menschenrechtsgruppen sprechen von mehreren Tausend. Es ist unklar, wie viele Todesfälle direkt mit dem Bau der Stadien und der Infrastruktur für das Turnier zusammenhängen, aber es bleibt eine beschämende Zahl.

Menschenrechtsgruppen kritisieren schlechte Arbeitsbedingungen auf den Baustellen Katars

Ich möchte weder diese tragischen Todesfälle noch Katars weitgreifende Probleme mit den Menschenrechten herunterspielen. Aber ich möchte, dass auch die andere Seite gehört wird, ohne beim Thema „Katar 2022“ gleich in die Verteidigung gehen zu müssen.

Eine Frage der Ehre?

Ist es nicht die beste Art, die Wanderarbeiter zu würdigen, wenn in den Stadien gespielt wird, für deren Bau sie so hart gearbeitet haben? Werden nicht einige von ihnen stolz sein, wenn Lionel Messi dort zu seiner wahrscheinlich letzten Weltmeisterschaft aufläuft?

Mir ist es lieber, wenn diese Fußball-WM in Katar ausgetragen wird als etwa in Saudi-Arabien oder im Iran. Deren Regime sind viel autoritärer. Russland hat die vergangene Weltmeisterschaft ausgerichtet und tut sich ebenfalls schwer, die Menschenrechte anzuerkennen. Aber der Aufschrei gegen Russland war nichts im Vergleich zu Katar.

DW-Redakteur Mark Meadows glaubt an die WM in Katar

Ich glaube, dass die westliche Arroganz hier eine Rolle spielt, weil viele denken, dass der Fußball in Katar kulturell nicht verwurzelt sei. Tatsächlich hat Katar durch den Kauf von Paris Saint Germain und das Sponsern von Barcelona und Bayern München Milliarden von Dollar in den Fußball gepumpt. Nur…