von Niels Kruse
19.11.2021, 17:08 Uhr

Was macht eigentlich… Kamala Harris? Die US-Vizepräsidentin wurde beinahe als de-facto-Staatschefin gehandelt, doch sie tut sich schwer. Wichtige Mitarbeiter kündigen und die rechte Presse klatscht sich bereits hämisch in die Hände.  

Manchmal werden die Dinge erst dadurch klein, indem man sie extra betont. So lässt sich ein Tweet von Jen Psaki verstehen, den sie neulich über die Vizepräsidentin Kamala Harris verfasst hat: „An alle, die es noch einmal hören wollen: Die Vizepräsidentin ist nicht nur eine unverzichtbare Partnerin für den Präsidenten der Vereinigten Staaten, sondern auch eine mutige Führungspersönlichkeit, die sich den wichtigsten Herausforderungen des Landes stellt: vom Wahlrecht über die Bekämpfung der Migrationsursachen bis hin zum Breitbandausbau.“ Jen Psaki also, Sprecherin des Weißen Hauses, fühlt sich genötigt zu erklären, welche Bedeutung eine Vizepräsidentin hat und was sie den ganzen Tag so treibt.

Für jemanden wie Kamala Harris, die manche bereits als de-facto-US-Staatoberhaupt gesehen haben, ist diese Einlassung beinahe schon ehrenrührig. Auf jeden Fall zeigt der Post, wo die 57-Jährige derzeit in der öffentlichen Wahrnehmung steht. Und es ist nicht schön dort.

Vier Jahre Trump und dann kam Kamala

Rückblende November 2020: Als nach dem zähen Stimmenauszählprozess langsam klar wurde, dass Joe Biden der nächste US-Präsident und Kamala Harris US-Vizepräsidentin werden würden, überschlug sich die eine Hälfte der USA (der liberal-linke) sowie Teile des Rests der Welt vor Begeisterung. Nach vier düstereren wie hellhäutigen und testosterongeladenen Jahren, zog mit Harris endlich das moderne Amerika des 21. Jahrhunderts ins Weiße Haus: eine Frau, moderat mit indisch-jamaikanischen Wurzeln. Manche Stimmen lasen sich, als hätte das amerikanische Volk sie dem alten Biden im Oval…