Seine Lebensgeschichte ist so einzigartig, dass sie nicht in Vergessenheit geraten darf. Justus Rosenberg hat sein 100-jähriges Leben dazu genutzt, um viele Menschen, darunter Geistesgrößen des 20. Jahrhunderts, vor dem Holocaust zu retten.

Geboren wurde Rosenberg am 23. Januar 1921 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Danzig. Dort besuchte er die Schule, die er aber aufgrund des erstarkenden Antisemitismus schon 1937 verließ, um mit einem Studentenvisum nach Frankreich zu fliehen.

Es war sein Glück, bereits so früh seine Geburtsstadt verlassen zu haben, denn in Polen wurden zwischen 1939 und 1945 knapp drei Millionen Juden, fast 90 Prozent aller polnischen Juden, ermordet. Über Bekannte lernte Rosenberg in Südfrankreich den US-Journalisten Varian Fry (1907-1967) kennen, der ihn sofort als Helfer beim Aufbau seines Rettungsnetzwerks einstellte, mit dem er Hunderte Menschen die Flucht vor den Nationalsozialisten ermöglichen wollte.

Rosenberg kämpfte in der Résistance 

Darunter waren beispielsweise die Philosophin Hannah Arendt, die Künstler Marc Chagall und Max Ernst oder auch die Schriftsteller Heinrich und Golo Mann. Im Team wurde Rosenberg bald „Gussie“ genannt. Der unauffällig aussehende junge Mann, der perfekt Französisch, Deutsch und Englisch sprach, lebte mit Fry und den anderen in einem Haus, wurde zum Kurier, überbrachte teils gefälschte Dokumente und half berühmten Menschen wie Heinrich Mann und Franz Werfel persönlich über die Pyrenäen nach Spanien. Den damals schon rund 60 Jahre alten Schriftsteller Werfel trugen Rosenberg und Werfels Frau Alma Mahler-Werfel zusammen über die Berge, jeder einen Arm über der Schulter. „Mir war schon damals bewusst, dass da etwas Historisches passiert. Aber es war auch einfach ein großes Abenteuer für mich“, sagte Rosenberg einmal der Deutschen Presse-Agentur. Nachdem Fry aufflog, schlug sich Rosenberg alleine durch. Nach Kriegsende gelang es ihm, 1946 in die USA zu emigrieren. 

Vom Fluchthelfer zum…