von Lukas Hildebrand
19.11.2021, 11:46 Uhr

Knapp 70.000 Menschen unterschrieben vor über einem Jahr eine Petition, „Catcalling“ − verbale sexuelle Belästigung − strafbar zu machen. Was wurde aus dieser Forderung und ihrer Initiatorin Antonia Quell?

„Es ist 2020. Catcalling sollte strafbar sein“. Diesen Titel trug Antonia Quells Petition, die sie vor über einem Jahr, am 11. August 2020 online stellte. Binnen weniger Wochen unterschrieben 67.900 Menschen in Deutschland ihre Forderung, verbale sexuelle Belästigung strafrechtlich zu verfolgen. Die Zeitungen und Rundfunk-Sender stürzten sich auf die junge Studentin, feierten sie als ein weiteres Gesicht einer neuen ungeahnt politischen Generation und wollte wissen, was „Catcalling“ eigentlich ist, ob sie selbst das schon einmal erlebt habe und vor allem, ob sie das Flirten verbieten wolle. Auch ich führte damals mit der jungen Würzburgerin mitten in einem riesigen Medientrubel ein kurzes Interview. Ein Jahr später treffe ich Antonia wieder und möchte wissen, wie sie heute über das Thema Catcalling denkt, ob sie resigniert ist, dass eine politische Reaktion auf ihre Petition bislang ausblieb und was seitdem in ihrem Leben passiert ist. „Ich habe mir beispielsweise meine Bänder gerissen“, erzählt sie mir lachend zur Begrüßung“. Ein Gespräch über gelöschte Instagram-Kommentare, Männer in Entscheidungspositionen und eine neue Generation, die sich nur noch reflektiert.

Vor genau einem Jahr hast du eine Petition eingereicht, dass Catcalling strafbar wird. Wie oft hast du seitdem Menschen den Begriff erklären müssen?
(Lacht) Sehr oft! Da es ein Anglizismus ist, verstehe ich, dass nicht jede:r sofort damit etwas anfangen kann. Im englischsprachigen Raum gibt es den Begriff schon seit vielen Jahren. Durch meine Petition ist Catcalling auch in Deutschland salonfähig geworden. Ich persönlich muss aber sagen, dass ich den Begriff eigentlich gar nicht besonders…