Angesichts der verdächtigen russischen Truppenbewegungen an der Grenze zur Ukraine hat der ukrainische Botschafter in Berlin vor dem wachsenden Risiko einer Invasion gewarnt. „Noch nie seit 2014, als die Russen die Krim und Teile der Ostukraine mit Waffengewalt besetzt haben, war die Gefahr eines neuen, groß angelegten Einmarsches akuter als dieser Tage“, sagte Andrij Melnyk den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Auch die Bundesregierung sollte „diese Bedrohung viel ernster nehmen“, mahnte er.

Die ukrainischen und westlichen Nachrichtendienste hätten seit Tagen eine massive Verstärkung der russischen Truppenkonzentration beobachtet, erklärte Melnyk. Er sprach von 114.000 russischen Soldaten, die „vor der Ostgrenze der Ukraine und im besetzten Donbass“ stünden. Auf der annektierten Halbinsel Krim seien „rund 32.000 Kräfte stationiert, auch in Belarus sind es wohl mehrere Tausend“, sagte er weiter.

Dieses Satellitenfoto vom 1. November zeigt eine massive Konzentration von Panzern und Truppentransportern in der russischen Region Smolensk

Der ukrainische Botschafter nannte es beunruhigend, dass das russische Militär nach den letzten großen Manövern im April und im Herbst schwere Waffen in der Region zurückgelassen habe. „Es befinden sich zum Beispiel Artillerie, Panzer, Raketensysteme und Mehrfachraketenwerfer zum großen Teil entlang der Ostgrenze.“ Darüber hinaus könnten „zusätzliche Truppen innerhalb weniger Tage für einen Angriff zurückbeordert werden“. „Bei uns herrscht Alarmstufe dreimal Rot“, betonte Melnyk.

Drahtzieher Russland?

Nach Ansicht des ukrainischen Diplomaten steht Russland hinter der aktuellen Flüchtlingskrise an der belarussischen Grenze zur EU. „Die inszenierte Migrantenkrise an der Grenze zu Polen ist auch eine Nebelkerze, um die Militäraktivitäten Russlands vor der Ostgrenze der Ukraine und im Donbass zu verschleiern“, unterstrich Melnyk. „Es ist ein großes Ablenkungsmanöver.“

Wladimir Putin bei einer militärischen Zeremonie beim Tag…