Corona trifft Deutschland ein weiteres Mal unvorbereitet. Dabei hatten Wissenschaftler bereits im Sommer vor einer vierten Welle gewarnt. Seitdem hat die Politik viele Chancen einfach nicht genutzt.

Der Münchner Christkindlmarkt ist abgesagt. Kinder tragen wieder Masken. Ärzte und Pfleger sind am verzweifeln. Noch im Sommer wähnte sich Deutschland auf dem Weg der Besserung, raus aus der Pandemie, zurück zur Normalität ohne Lockdowns, ohne Masken und Ellenbogengruß. Und jetzt dieses Desaster. Mehr Corona-Neuinfektionen als im Dezember 2020, jeden Tag traurige Rekorde. Wie konnte es soweit kommen – und wie kommt man da wieder heraus?

Die Ministerpräsidenten der Bundesländer versuchen am Donnerstag bei einer Konferenz mit der amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel, das Ruder herumzureißen und die vierte Welle zu brechen. Am selben Tag soll der Bundestag die neuen Corona-Maßnahmen der Ampelparteien beschließen. Vor allem für Ungeimpfte wird der Alltag schwierig. Aber reicht das?

Schon jetzt ist klar, dass Kliniken bald noch mehr zu kämpfen haben werden. Es gilt eine grausam unbestechliche Mathematik. Von den neulich an einem Tag gemeldeten 50.000 Neuinfizierten müssen wohl 350 auf die Intensivstation und 200 werden sterben, wie Lothar Wieler vorrechnete, der Präsident der Robert Koch-Instituts. Überfüllte Krankenhäuser verlegen immer mehr Patientinnen und Patienten. Behandlungen werden verschoben. Es wächst die Angst vor einer verzweifelten Lage, vor Konkurrenz um Intensivbetten, vor vielen Toten.

Defizite, wo man hinblickt

Von „Politikversagen“ ist nun die Rede, von Bund-Länder-Hickhack, fehlender Führung und Ignorieren der Wissenschaft, die seit Monaten vor einer machtvollen Rückkehr des Virus warnte. Corona habe Schwächen des Staates schonungslos offengelegt, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Wochenbeginn. „Defizite bei…