1968 war Irena Brežnás Schicksalsjahr. Als 18-Jährige flüchtete sie nach dem Prager Frühling aus Bratislava in die Schweiz. Sie landete in Basel – und blieb für immer. Ihre eigene Migrationsgeschichte verarbeitete sie immer und immer wieder schreibend, erst in Essays und Reportagen, dann auch in Romanen. Sie wurde nach der Wende zur feinsinnigen Beobachterin der Entwicklungen in Osteuropa und Kriegsreporterin in Tschetschenien.

Die 71-Jährige habe sich „Zeit ihres Lebens unermüdlich für Gerechtigkeit und Freiheit eingesetzt und den Dissidenten und Verfolgten in Osteuropa eine Stimme gegeben“, so die Jury des deutschen PEN-Zentrums, die ihr nun den Hermann Kesten-Preis verleiht.

Für freie Meinungsäußerung

Die Schriftstellervereinigung PEN verleiht den Hermann-Kesten-Preis an Persönlichkeiten, die sich für verfolgte Journalistinnen und Journalisten beinsetzen. Bisher wurden unter anderem Günter Grass, Anna Politkowskaja, Liu Xiaobo, Can Dündar und Gioconda Belli ausgezeichnet. 

Die Auszeichnung erinnert an den deutschen Schriftsteller und ehemaligen PEN-Präsidenten Hermann Kesten, der 1940 vor den Nationalsozialisten in die USA floh. Dort setzte er sich ehrenamtlich für die Rettung von Verfolgten des Nazi-Regimes ein, insbesondere von Künstlerinnen und Künstlern, Schriftstellerinnen und Schriftstellern.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird seit 1985 verliehen. Außer Brežná werden der Journalist und Autor Günter Wallraff als Kesten-Preisträger 2020 sowie die Chefredakteurin der ägyptischen Online-Zeitung „Mada Masr“, Lina Attalah, mit mit dem Kesten-Förderpreis 2020 geehrt.

Einfühlsame Stimme osteuropäischen Lebens und Leidens

Der Preis würdigt insbesondere Irena Brežnás Tätigkeit als Journalistin, Berichterstatterin und Beobachterin Osteuropas nach der Wende. Sprachgewaltig und einfühlsam sind die Reportagen und literarischen Essays, die sie von ihren Reisen durch Osteuropa mitbringt. 

Vom Tschetschenien-Krieg berichtet Brezná…